SCHAFFT DEN VIDEOBEWEIS AB

„Nach einer Nacht drüber schlafen, sieht immer vieles anderes aus.“ Den Tipp hat sicher jeder schon in früher Kindheit oder Jugend von seinen Eltern auf den Weg mitbekommen. Nach den gestrigen Ereignissen rund um das Spiel unseres 1. FC Köln gegen Hannover 96 haben sich einige Dinge über Nacht tatsächlich relativiert, aber nun mal nicht alle. Ich fasse mal meine Erkenntnisse zusammen:

 

  • Meine Zweifel, ob es überhaupt Abseits gewesen ist, wurden wohl widerlegt. Selbst wenn der Pass auf Risse vielleicht einen Tick zu spät angehalten wurde, um die Linie für die TV-Anstalten zu ziehen, dann ist Risse immer noch ganz leicht mit dem Fuß im Abseits. Allerdings ist diese Linie der TV-Anbieter meines Wissens nach nicht kalibriert, sonst würde der Videoschiedsrichter ja immer eingreifen. Wie dem auch sei, es war wohl in der Tat Abseits. Jetzt könnte man sagen, die Gerechtigkeit hat gesiegt, oder?
  • Das ist die KERNFRAGE: Wenn es gerecht zugehen soll, dann hätten auch die beiden Situationen zuvor, als FC-Spieler frei auf´s Tor zuliefen und fälschlicherweise zurückgepfiffen wurden, sanktioniert werden müssen. Vergleichen wir das mal damit, wenn ein gegnerischer Spieler den frei aufs Tor zulaufenden Stürmer umnietet. Was passiert dann? Glatt Rot wegen Verhinderung einer klaren Torchance. Umkehrschluss: Will man die totale Gerechtigkeit wirklich umsetzen, dann müssten diese Szenen mit einer Art Penalty wiederholt werden (aber will das jemand?). Hier wurden dem FC gestern zwei hundertprozentige Torchancen genommen. So viel zum Thema Gerechtigkeit in diesem Spiel.
  • Nach wie vor bin ich der Meinung, dass die zuletzt gegebenen Tore (gerade von Konkurrenten), die ebenso nachweisbar per TV Abseits waren, dann auch nicht hätten zählen dürfen. Man kann sich jetzt natürlich winden und sagen, Risses Abseits war eindeutiger … aber m.E. sind das Ausflüchte, um das Schiedsrichterwesen zu schützen und um vom erneuten Versagen des Videobeweises abzulenken.
  • Für mich steht nach langem Nachdenken über den Videobeweis, den ich zunächst befürwortet habe, mittlerweile fest, dass dieses Sache in dieser Form ganz schnell abgeschafft gehört. Klar, einige Male wurde Gerechtigkeit hergestellt. Doch zu welchem Preis? Wie oft wurde der Videobeweis falsch ausgelegt (beim FC wissen wir ein Lied davon zu singen)? Wie oft wurden Emotionsausbrüche wie gestern abgewürgt? Wie oft wurde ein Spiel langatmig unterbrochen und im Stadion wusste keiner warum?

 

Mein persönliches Fazit: Gut gemeint ist nicht gleich gut gemacht. Mir ist klar, das DFL und DFB die Statistiken so auslegen, als wäre die Sache ein Riesenerfolg. Doch wer im Stadion war oder die Spiele im TV gesehen hat, kennt die Wahrheit. Dieser Videobeweis ist eine Farce und gehört abgeschafft. Er tötet Stadion-Emotionen, wird oft fehlerhaft angewandt und entscheidet damit Saisonverläufe mit. Dann können wir auch mit der alten Lösung leben. Die war auch nie gerecht, hat uns Fußballfans aller Vereine aber unsere Emotionen gelassen. Was wir jetzt haben, ist eine Vergewaltigung des Fußballsports.

 

Weg damit!

 

PS: Ja, ich bin Fan des 1.FC Köln und bin somit temporär „betroffen“. Doch der Videobeweis wird grundsätzlich nicht sinnvoller, wenn auch mein Verein davon einmal profitiert. Sollte das demnächst wieder so kommen, werde ich es hinnehmen und es ein Stück weit als kleine Wiedergutmachung ansehen. Dennoch fordere ich weiterhin die Abschaffung. Und, … liebe Fans der anderen Vereine, die uns FC-Fans jetzt „Heulerei“ unterstellen: Schon nächste Woche könnt ihr betroffen sein.

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70 Jahre 1.FC Köln

Geboren aus zwei Traditionsvereinen (KBC 1901 & Spgg. Sülz 1907) um selbst einer der größten Traditionsvereine des Landes zu werden. Am 13. Februar 1948 entstand aus den genannten Vorgängervereinen der 1. FC Köln, dessen Wurzeln also deutlich älter sind, als „nur“ 70 Jahre (manche Unwissende behaupten das ja). Was der #effzeh aber in diesen 70 Jahren bot, war aller Ehren wert. Aus dem „Emporkömmling“ wurde schnell der beste Verein Kölns, dann der beste Vereins des Westens um schließlich 1962 der beste Verein Deutschlands zu werden. Das Besondere: Die Feier zu diesem 1. Titel sieht man im Video, bisher unveröffentlichte Aufnahmen der Edition Steffan.

 

 

Die Bundesliga wurde eingeführt, der 1. FC Köln wurde ihr erster Meister. Wie sagt FC-Legende Wolfgang „Bulle“ Weber so schön? „Die Bayern können noch 50x Meister werden, der erste Meister der Bundesliga wird immer 1. FC Köln heißen.“ Der FC blieb in der Folge Spitze, qualifiziert sich wie selbstverständlich für die europäischen Wettbewerbe, die leider zu dieser Zeit finanziell bei weitem nicht so lukrativ waren, wie sie es heute sind.

1978 folgte dann der größte Erfolg der Vereinsgeschichte. Die Mannschaft von Trainer Hennes Weisweiler um Double-Kapitän Heinz Flohe, Torjäger Dieter Müller und Torwart Toni Schumacher holt als eine von nur wenigen Vereinen das begehrte Double. Meisterschale und DFB-Pokal wandern innerhalb nur weniger Tage in Köln. Unvergessen!

Große Spiele und unvergessene Schlachten lieferte der FC, der ganz große Erfolg blieb auf der europäischen Ebene jedoch aus, 1986 reichte ein 2:0 Sieg über Real Madrid im zweiten UEFA-Cup Endspiel nicht aus, um die Hypothek der Hinspielniederlage auszugleichen.

Insgesamt drei Meisterschaften und vier Pokalsiege feiert der 1. FC Köln, ehe es in den 90ern sportlich bergab ging. 1998 dann der erste Abstieg, zu viele weitere sollten folgen.

Doch der FC wurde durch seine Abstiege noch größer als er es zuvor jemals war. Die Fans laufen dem FC die Bude ein und der Kult um einen der leidenschaftlichsten Vereine auf diesem Planeten nimmt einfach kein Ende. Egal, welche Spieler, Präsidenten, Trainer oder Manager gerade das Sagen haben. Der Verein bleibt ! In jeder Liga! Eine Konstante im Leben aller FC-Fans!

So ist es und so bleibt es. Alles Gute zum 70. Geburtstag, 1.FC Köln

Aussage bzgl. Wiederaufnahme des FC-Stammtisch Talk

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Nicht mehr die „Klappe halten“ … sondern weitermachen, sagen einige

Wer hätte das, was sich ab Ende Mai 2017 bis Anfang Dezember 2017, alles rund um unseren FC ereignete für möglich gehalten? Wahrscheinlich niemand, auch ich werde von den Ereignissen rund um den 1. FC Köln Woche für Woche aufs Neue überrascht und oftmals auch geschockt. Damit ist nicht nur die sportliche Situation gemeint, sondern auch die Vereinspolitik seit Beginn dieser Saison 2017/2018.

Viele FC-Fans sehen Gesprächsbedarf und sind der Meinung, dass der FC-Stammtisch Talk als Diskussionsplattform seine Arbeit wieder aufnehmen soll. Dies wird mir, mehr oder weniger fast täglich, auf mehreren Kanälen immer wieder angeraten. Die schon seit vielen Wochen aufkommenden Fragen, ob ich den Talk in dieser Krisenzeit wieder aufnehme, weil auch die Fans vermehrten Redebedarf haben, häufen sich derart, dass ich nun auch allgemein dazu Stellung nehmen möchte. Manche formulieren auch im Scherz (hoffe ich …), das der Talk nun wieder gemacht werden müsse, schließlich behandelte der letzte FC-Stammtisch Talk am 22.5.2017 auch den bis heute letzten FC-Bundesligasieg!

Das Original ist nicht vergessen

Zunächst einmal ist es natürlich schön, dass das Format nicht vergessen ist und das man sich auch daran zurückerinnert, das es sich dabei um eine konstruktiv-kritische, aber natürlich durch die Fanbasis gelebte, vereinsliebende Plattform gehandelt hat, die den Dialog zwischen Verein, Fans und Medien fördern wollte und dies wohl auch tat. Schließlich entstand der Talk einer Zeit (März 2009), als genau dieser Dialog kaum geführt wurde. Es gab damals weder vom FC angebotene Mitglieder-Stammtische, noch andere Formate, die fanbasiert über die aktuellen Ereignisse redeten. Kurz gesagt, wir waren Vorreiter, quasi der „Original-Stammtisch“.

Der 1. FC Köln hatte sich anfangs des Dialogs verweigert, sich anschließend temporär besinnt um dann unter der neuen, auch heute noch agierenden Führung, sich regelmäßig durch Spieler und Offizielle am Dialog zu beteiligen. Bis zum Ende der Saison 2015/2016 war mehr oder weniger regelmäßig der 1. FC Köln durch Talkteilnehmer vertreten, auch wenn die Intensität in der ersten Bundesliga (ab 2015 etwa) mehr und mehr heruntergefahren wurde.

FC-Rückzug aus dem Format war Hauptgrund für das Ende

Zur Saison 2016/2017 beendete der FC dann endgültig die Zusammenarbeit, was die Spieler des Vereins anging. Mitarbeiter der Geschäftsstelle – über die wir uns auch freuten, aber Fans sehen gerne Spieler – nahmen allerdings ab und zu am Talk rund um den besten Verein der Welt teil. Ansonsten aber zog sich der FC aus dem Format zurück, offiziell weil zahlende FC-Partner/Sponsoren bevorzugt werden mussten, aber spürbar auch, weil vermutlich die Inhalte nicht immer dem entsprachen, was sich der Verein wünscht. Dass im Gegenzug die vereinseigenen, weniger kritisch hinterfragenden Formate gestärkt wurden, versteht sich von selbst.

Dem FC-Stammtisch Talk wurde damit eine wichtig gewordene Grundlage entzogen. Schließlich waren die häufigen Besuche der FC-Spieler oder der ersten Reihe der Offiziellen wie Trainer, Präsidium und Management für die Fans quasi „Normalität“ geworden. Auch wenn die Meinungen von Ex-Spielern oder Medienexperten geschätzt wurden, mit denen der Talk dann weiter fortgesetzt wurde, es war abzusehen, dass es so langfristig nicht weiter umsetzbar war. Dazu kam der Fakt, das wohl auch aus vorgenanntem Grund, das Medieninteresse erlahmte. Dem Kölner EXPRESS war die letzte Ausgabe am 22.5.2017 –  trotz seines Status als Medienpartner des Talks – noch nicht einmal einen Bericht wert! Das war sehr schade, auch für die anderen Stammtisch-Partner, wie vor allem die „Kölsch-Kultur“, aber auch „Lömmelömm“ und auch „Gaffel“, die mit dafür sorgten, das die letzte Stammtisch-Saison überhaupt abgeschlossen werden konnte.

Niemand will „draufzahlen“

Gerade die letzte FC-Stammtisch Talk Saison war also von der Durchführung her extrem schwierig und finanziell extrem belastend, da der enorm hohe Aufwand pro Talkrunde wirtschaftlich nicht aufgefangen wurde. Im Klartext, es wurde trotz der vorgenannten, engagierten Partner definitiv „draufgezahlt“ und das leider auch nicht nur ein bisschen!

Somit beantwortet sich die Frage nach einer Wiederaufnahme des Talks – Stand heute – von selbst. So lange es keine sichere Finanzierung gibt, wird es keinen FC-Stammtisch Talk mehr geben. Dies zumal ich persönlich nicht mehr aktiv auf die Suche nach Partnern gehen werde. Zu oft wurde mir in den letzten Jahren bereits ein Finanzierungskonzept in Aussicht gestellt, doch wenn es konkret wurde und finanzielle Aufwendungen ins Spiel kamen, folgte dann oft der Rückzug des potenziellen Partners. Auch hier der Klartext meinerseits: Jeder will den Stammtisch haben, aber keiner will adäquat dafür etwas bezahlen.

Aktuell keine Wiederaufnahme des Talks, es sei denn …

Es gab und gibt natürlich auch persönliche Gründe für meinen Rückzug, denn wie damals auch verkündet, war ich nach über acht Jahren auch der Meinung, dass es bezüglich Talk nun einfach einmal gut sein muss. Dieser Meinung bin ich grundsätzlich noch heute, auch wenn ich natürlich mit großer Freude ab und zu noch Talks für diverse Fanclubs leite.

Aber: Sollte es „irgendwo da draußen“ Leute geben, die es wirklich ernst meinen und bereit sind, ein langfristiges, finanziell tragfähiges Konzept gemeinsam mit mir aufzubauen, welches eine solide Basis für eine Fortsetzung des FC-Stammtisch Talks bildet … dann würde auch die Motivation wieder vollends da sein und daher bin ich immer für Gespräche offen.

Allerdings auch wirklich nur dann, denn so sehr ich den FC liebe, draufzahlen möchte ich nicht mehr!

Sollte dies aber nicht der Fall sein, ist das auch in Ordnung, denn mein Wohlergehen hängt davon nicht ab. Ich hatte bereits acht, insgesamt gesehen wundervolle Stammtisch-Jahre, die mir nicht mehr genommen werden können. Eine Fortsetzung auf solidem Fundament wäre sehr schön, aber für mich nicht zwingend notwendig.

Man kann sich dann immerhin an meinen ab und zu erscheinenden Kommentaren zum 1. FC Köln auf effzeh.com, meiner Facebook-Seite oder hier auf diesem Blog erfreuen oder sich darüber ärgern.

Ich hoffe, mit diesem Statement für etwas Klarheit in dieser Angelegenheit gesorgt zu haben.

Euer Ralf Friedrichs

PS: Come on, FC! Jetzt erst Recht!

Zum Abschied für Hans Schäfer

Zum Abschied für Hans Schäfer

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Hans Schäfer (2014)

Die Nachrufe auf dich kommen nun, lieber Hans Schäfer. Sie zählen in den meisten Fällen deine Erfolge auf, ein paar Anekdoten, Promis kondolieren, Ende. So ist es nun einmal, auch wenn die Trauer der meisten natürlich ehrlich ist.

Denn die Menschen haben euch bewundert und geliebt, insbesondere die Generation, die das Finale von Bern im Jahr 1954 miterlebt hat. Die in ihren teilweise noch zerbombten Städten und Dörfern am Radio mitgefiebert haben, als ihr elf ganz normale junge Männer auf dem nassen Rasen des Berner Wankdorfstadion ein Fußballwunder geschaffen habt. Die als unbesiegbar geltenden Ungarn habt ihr mit 3:2 besiegt. Jeder weiß das.

Ihr wolltet letztlich nur ein Fußballspiel gewinnen, gegen einen scheinbar übermächtigen Gegner mit Weltklassespielern, bei denen schon der Klang der ausgesprochenen Namen Ehrfurcht gebot: Puszkas, Hidegkuti, Kocsis, Czibor und wie sie alle hießen.

Ihr wolltet ein Fußballspiel gewinnen … und habt eine Nation geboren

… und ihr habt tatsächlich dieses Spiel gewonnen und dabei – sicher ungewollt und unbeabsichtigt – eine Nation geboren! Das „Wunder von Bern“ löst heute noch bei so gut wie jedem Gänsehaut aus, man braucht nur die Stimme Herbert Zimmermanns zu hören – der ja so wunderbar berichtete, wie du Boszik den Ball abgeluchst hast, um dann nach innen zu flanken – dann hat man die schwarz/weiss Bilder wieder vor Augen. Obwohl ich erst 10 Jahre später auf die Welt kam, ist mir jedes Wort der Radio-Reportage ein Begriff und die Mannschaftsaufstellung kann ich heute noch im Schlaf runterbeten. Vielen geht das so!

Und du warst dabei, ene kölsche Jung vom FC! Darauf war ich immer stolz und bin es bis heute.

Nur kurz nachdem die Nachricht über deinen Tod kam, meldete sich mein Vater. Er hat die Radioübertragung aus Bern als 14-jähriger gehört. Im Waisenhaus, denn er wuchs kriegsbedingt ohne Eltern auf. Wir haben uns über dich unterhalten und mein Vater erzählte mir erneut von deiner Spielweise, die ich leider nie richtig in Augenschein habe nehmen können. Dafür muss man mehr sehen, als ein paar Filmausschnitte. Aber dennoch kann ich mir eine Vorstellung machen, wie du gespielt hast, mein Vater hat es einfach gut beschrieben, denn er hat dich immer genau beim FC beobachtet. Du warst schließlich sein Idol, sein Held.

Nicht ohne Grund, denn hast du ja auch den 1. FC Köln groß gemacht. Zweimal konntest du als Kapitän die Meisterschale entgegennehmen. Große Triumphe,  ohne Frage. Wir als FC-Fans sind sehr stolz darauf.

Der „Urknall“ des deutschen Fußballs

Aber dennoch, Bern stand noch einmal für etwas ganz Besonderes. Es war der „Urknall“ des deutschen Fußballs. Ich bin ganz sicher, hättet ihr diesen ersten Titel nicht geholt, der deutsche Fußball hätte eine andere Entwicklung genommen. Beweisen kann man das nicht, aber man hat es im Gefühl, man schaue nur was aus dem ungarischen Fußball wurde.

Persönlich habe ich dich nicht richtig kennenlernen dürfen. 1997 haben wir aber einmal gemeinsam eine Hochzeit bei gemeinsamen Bekannten gefeiert. Dabei durfte ich einige Male mit dir anstoßen. Mit lecker Kölsch, mit was denn sonst? Wir haben uns gut verstanden,  vielleicht auch weil Fußball an diesem Abend keine Rolle spielte, sondern eine wirklich gelungene und sehr gesellige und launige Feier. Dich auf den FC oder Bern anzusprechen, bei so einem privaten Termin, hätte ich unrichtig gefunden. Aber diese Erinnerung an den Abend wird unauslöschbar sein, auch wenn es keine gemeinsamen Fotos gibt (auch das hätte ich als unpassend empfunden).

Legenden sterben nie

Nun bist du nicht mehr unter uns, aber natürlich irgendwie doch. Denn Legenden sterben nicht, sie leben ewig. Und du bist eine Legende! Eine, die hoffentlich bald neben dem anderen Meisterschaftskapitän des FC – Heinz Flohe – ihr eigenes Denkmal erhalten wird. So oder so. Legenden bleiben. Für immer!

Ruhe in Frieden, Hans Schäfer

 

 

 

Quo vadis, 1. FC Köln?

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FC-Trainer Peter Stöger

Quo vadis, 1. FC Köln?

Wieder einmal brauchte man eine Nacht zum „drüber schlafen“ um überhaupt ansatzweise Erkenntnisse aus dem Spiel des #effzeh gegen Hoffenheim formulieren zu können. Allerdings fällt mir das auch so viele Stunden nach dem Abpfiff noch schwer. Positives gibt es nicht zu berichten, …. Ja, die Mannschaft kämpft, sie gibt alles, aber was dabei herauskommt ist erschreckend wenig bis gar nichts. Sie wirkt derzeit in der Liga nicht konkurrenzfähig und das gilt bis auf den Torwart für alle Mannschaftsbereiche. Die Defensive ist extrem anfällig und sehr fehlerhaft, im Mittelfeld fehlt es durchgehend an Tempo, Spielwitz, Technik und individueller Klasse. Darunter leidet auch der Sturm, der wenig verwertbare Bälle bekommt, jedoch seine durchaus vorhandenen Chancen einfach nicht nutzen kann und dabei oftmals kläglich versagt.

Spürbar harmlos bis zur Peinlichkeit

Dazu kommen noch die unglaublich schlechte Quote bei Flanken und Standards, die mittlerweile ein peinliches Maß an Harmlosigkeit erreicht haben. Die Standards des Gegners hingegen sind jedes Mal gefährlich, weil fast immer ein gegnerischer Spieler nach einer Ecke oder einem Freistoß relativ frei zum Abschluss kommt.

Ein weiteres Kriterium ist die Form der Spieler, nur wenige können halbwegs konstant ihr eigentliches Level zeigen, am ehesten noch Timo Horn, Dominique Heintz und mit Abstrichen Leonardo Bittencourt.

Verantwortlich für all das ist die sportliche Leitung, Peter Stöger selbst spricht völlig zurecht davon, dass dies „Trainerjob“ sei. Nun, nach 11 Spieltagen hat der Wiener immer noch keine Lösungen gefunden, den Abwärtstrend, der bereits nach einer desaströsen Vorbereitung erkennbar war, zu stoppen oder dem entgegenzuwirken. Trotz zweier Siege in den Pokalwettbewerben ist die Mannschaft in der Liga derzeit abgeschlagen Letzter. Wohlgemerkt, es ist nicht mehr länger nur „der Saisonstart“, der missglückt ist. Nach fast genau einem Drittel der Saison kann man nun wirklich nicht mehr nur von einem „Startproblem“ sprechen.

Kein Verharmlosen mehr – Es ist kein „Startproblem“, ein Drittel der Saison ist um

Da die Mannschaft wie verrückt kämpft, wird immer wieder davon gesprochen, dass Stöger die Mannschaft noch erreicht. Bloß, … was gibt der Trainer den Spielern mit? Und welche Signale setzt er? Ist es das richtige Signal nach den wenigen Siegen die Gewinner-Mannschaft im nächsten Spiel wieder auseinander zu reißen? Ist es die richtige Personalentscheidung den jungen Tim Handwerker, der – wenn auch nicht alles gelingt – als einer der wenigen Lichtblicke im Team gelten darf, konsequent aus der Startelf zu lassen? Sind Spieler wie Matthias Lehmann und Konstantin Rausch so unverzichtbar, das sie trotz mittelmäßig bis schlechter Leistung quasi eine Stammplatzgarantie besitzen und konsequent so gut wie immer in der Startelf stehen, sofern sie nicht gesperrt oder verletzt sind?

Die Maßnahmen des FC-Übungsleiters sind zumindest diskussionswürdig, doch ein Großteil der Fans, insbesondere in den sozialen Netzwerken, hat mittlerweile einen personenkultartigen Abwehrmechanismus gegen Kritik an Peter Stöger installiert. Man kann sich zeitweise der Feststellung nicht entziehen, dass es mehr um die Person Stöger geht, als um den 1. FC Köln. Mit den Worten „Ich stehe zu Peter Stöger“ wird eine sachliche und faire Diskussion rund um den Trainer des FC im Vorfeld bereits abgewürgt und dem Kritiker wird vorgeworfen, das man kein echter FC-Fan sei und nicht selten wird eine Mitgliedschaft bei Bayern München empfohlen.

Personenkult um Peter Stöger ?

Der in der Öffentlichkeitsarbeit stets überzeugend auftretende Wiener erscheint vielen Fans mittlerweile als der Heilsbringer für alle Lebenslagen (Messias Reloaded?). Volksnah, offen, natürlich und dabei sehr charmant und witzig zu sein, sind liebenswürdige und positive Eigenschaften für einen Trainer einer Profimannschaft. Sie sind von großem Vorteil in der Außenwirkung. Seine Menschenführung wird dazu allgemein als herausragend dargestellt. Doch sind diese Aspekte alleine entscheidend für einen überdurchschnittlichen Bundesligatrainer? Gehören dazu nicht auch die Disziplinen wie Taktik, Aufstelllungen, Einwechslungen oder Standardtraining?

Man darf auch einmal nachfragen, für welche Art Fußball ein Trainer steht und da kann man bei Peter Stöger durchaus auch Defizite erkennen. Fußballerisch hat sich das Team nämlich nicht herausragend weiterentwickelt, denn in allen Stöger-Jahren operierte der FC oftmals mit langen Bällen auf Stoßstürmer wie Ujah oder Modeste. Der große Erfolg mit Platz 5 im Vorjahr hatte mehr mit einem „Überstürmer“ zu tun, als mit einer neuen Art Fußball, für den der FC steht. Dazu hatte es viel mit einer defensiv-vorsichtigen und dabei wenig attraktiven Spielweise zu tun, die man einem 1. FC Köln aber verzeihen kann, weil das Personal kaum mehr hergab. Dennoch sei auch die Frage erlaubt, warum Mannschaften wie der FC Augsburg oder der SC Freiburg den attraktiveren Ball spielen.

Was nun? Entscheidungen sind gefragt

Doch was nun? Die FC-Führung muss jetzt entscheiden was zu tun ist. „Mit Stöger auch in Liga 2“ wäre die Variante, die bei Fans und Öffentlichkeit den größten Beifall finden würde. Sie hätte auch Charme, weil sie zeigt, dass man weiter auf Kontinuität setzt und würde dem hochgelobten Freiburger Modell entsprechen, wo ein Christian Streich niemals in Frage gestellt wird. Doch ist das überhaupt vergleichbar? Und wann entwickelt sich die gewahrte Kontinuität zur gefährlichen „Nibelungentreue“, die laut Wikipedia eine Form bedingungsloser, emotionaler und potenziell verhängnisvoller Treue beschreibt? Ist der Stöger-Fußball genau das, was man sich – Liga-unabhängig – vom Spielstil des 1. FC Köln in Zukunft vorstellt?

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Ist nun gefragt: Präsident Werner Spinner

Klar ist: Die Option Trainerwechsel darf nach dem schlechtesten Ergebnis nach 11 Spieltagen einer Bundesligamannschaft in 55 Jahren Bundesliga nicht absurd erscheinen. Den Volkshelden Stöger nun in Ehren und durchaus auch mit viel Dankbarkeit zu entlassen um mit einem neuen Trainer und den neuen Impulsen das schwierige Ziel Klassenerhalt anzugehen, wäre der andere, der unangenehmere Weg für die Entscheider. Große Kritik seitens vieler Fans, aber auch der medialen Öffentlichkeit wäre ihnen gewiss, aber die Führung darf nicht den Weg gehen, der mehr Applaus verspricht. Sie muss sehr genau überlegen, was für die Zukunft die beste Entscheidung für den Verein ist und dies begründen und offen artikulieren. Es reicht nicht, sich weiter zu verstecken – gerne auch hinter dem Rücken eines Peter Stöger, der als fast einziger vor die Kameras geschickt wird –  und nur sich im Erfolg zu sonnen, wenn es beispielsweise tolle Zahlen aus der Finanzabteilung zu verkünden gilt.

Noch ist der Abstieg zu vermeiden, gerne mit einem Trainer Peter Stöger. Aber der FC ist nicht alternativlos, man muss zumindest ergebnisoffen intern über die Trainer-Thematik diskutieren und dann entscheiden.

Meine Herren im Vorstand/Geschäftsführung: Bitte entscheiden Sie, kommunizieren dies und stehen Sie dazu!

Talk im Berli Theater – „Das Double 1977/78“

Im Berli-Theater, einem wunderbaren Kino im Stil der 50er Jahre mit der Technik von heute, wurde am 29.10.2017 erstmals nach der Premierenveranstaltung der Film „Das Double 1977/78“ wieder öffentlich präsentiert. Die Veranstaltung war bis auf den letzten Platz ausverkauft und so waren 140 Zuschauer vor Ort, die noch einmal den 1.FC Köln als Sieger im DFB-Pokal sahen sowie zur Krönung die Übergabe der Meisterschale an Mannschaftskapitän Heinz Flohe bestaunen konnten. Der Weg dorthin war nicht leicht, dies konnte man in der Dokumentation noch einmal  feststellen. Dennoch begeisterte der damalige FC durch einen Mix aus enormer Dynamik, unglaublich guten Technikern, offensiven Verteidigern wie Herbert „Zimbo“ Zimmermann und Harald Konopka, einem Goalgetter par Excellence wie Dieter Müller und einem Zauberfuß im Mittelfeld, dem Double-Kapitän und Regisseur Heinz Flohe. Natürlich waren auch Torwart-Idol Harald „Toni“ Schumacher, Mittelfeld-As Herbert Neumann und alle andern Stützen einer tollen Truppe.

Nach dem Film wurde mit Zeitzeugen diskutiert, in der Runde standen Double-Manager Karl-Heinz Thielen sowie die Spieler Herbert Zimmermann und Harald Konopka Rede und Antwort. Auch Heinz Flohes Sohn Nino Flohe äußerte sich zu den damaligen Ereignissen. Gemeinsam mit Filmregisseur Frank Steffan und Moderator Ralf Friedrichs wurde dieser größte Erfolg des 1. FC Köln überhaupt, noch einmal verbal seziert und genossen. Dabei kamen für das Publikum noch einmal interessante Erkenntnisse zu Tage, die sicher noch nicht jedem bewusst waren. Nach dem Talk wurde im Foyer mit den Legenden noch sehr lange über alles diskutiert, natürlich auch über den heutigen FC.

Alles in allem erlebte das Berli-Theater einmal mehr eine ganz besondere Vorstellung, die zu Wiederholungen Anlass gibt.

Oben nun die Talk-Veranstaltung nach dem Film in voller Länge sowie einige Fotos unter diesem Text (Dank an Michaela Türk und Dieter Voss für die Fotos).

Diese Diashow benötigt JavaScript.

 

Kommentar zu Jörg Schmadtke

Der Dr. Jekyll und Mr. Hyde des FC geht

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Jörg Schmadtkes Besuch beim FC-Stammtisch Talk im Sommer 2015

Jörg Schmadtke ist nicht mehr Sportdirektor des 1. FC Köln. Ziemlich überraschend wurde sein Vertrag gestern aufgelöst, wohl auf eigenem Wunsch. Damit setzt er sein Verhalten aus früheren Jahren fort, denn auch in seinen Stationen zuvor ging er am Ende freiwillig. Dabei hatte er immer große Erfolge, führte Vereine aus der Bedeutungslosigkeit bis in den Europapokal. Doch am Ende seines Wirkens hatten alle Vereine erhebliche Probleme. Probleme, die Schmadtke genauso mit verantwortet wie die großen Erfolge. In Köln hat sich das leider fortgesetzt und ich verstehe nun den Satz eines Medienvertreters, der bei Schmadtkes Amtsbeginn zu mir sagte: Glückwunsch für die nächsten 2-3 Jahre, Beileid für das, was danach kommt“. Diese Worte waren aus heutiger Sicht prophetisch.

Zwiegespaltene Bilanz

Seine Bilanz ist in meinen Augen zwiegespalten, einerseits steht er für Namen wie Modeste, Heintz, Bittencourt, Osako und Risse. Sein Name steht auch für erhebliche Wertsteigerungen diverser Spieler. Aber eben auch für völlig überteuerte Transfers wie Cordoba und J. Horn oder nicht sonderlich kreative Transfers von Spielern wie Rausch und Rudnevs. Vor allem aber steht er seit mindestens 3 Transferperioden für ungeschlossene Baustellen auf den Positionen im Mittelfeld und auf den Außenpositionen. Insbesondere der Transfersommer 2017/18 hat sich – bis jetzt – als sehr teurer und fataler Irrtum erwiesen.

Brummelig-kauzig oder selbstgerecht?

Seine Art den Verein zu führen brachte dem 1. FC Köln zeitweise gar den Ruf eines Mustervereins ein. Selbst das Umfeld hatte Schmadtke voll im Griff, für manche sogar im Schwitzkasten. Immer ein wenig brummelig, bärbeißig und kauzig wirkte er, was im Erfolgsfall als typische Eigenart ausgelegt wurde. Für manche war er aber auch selbstgerecht und kritikresistent. Doch wie gesagt, der Erfolg gab ihm dabei Recht. Aber so mancher aus dem Umfeld (Presse, Fans) dürfte die Faust in der Tasche gemacht haben und auf seine Gelegenheit gewartet haben, wenn der Erfolg einmal ausbleibt. Nicht verwunderlich, dass er in den letzten Wochen der Krise in den Fokus geriet, er war angreifbar geworden.

Keine Fehlerkorrektur mehr

Für mich überwiegt der große Erfolg der letzten Jahre, für den man ihm als FC-Fan nur danken muss. Aber … es ist schon merkwürdig, dass er die Eigenart besitzt, etwas Großes aufzubauen um das Erreichte dann mit seiner Art in große Gefahr zu bringen. Bevor es aber kippte, war er zumeist bereits weg. So wie jetzt auch, vorgestern wollte er seine Fehler laut Interview noch korrigieren, aber nun hat er es vorgezogen, zu gehen. Schade!

Dennoch, Danke, Jörg Schmadtke!! Nicht für alles, aber für sehr vieles.