Die Rückkehr des FC-Stammtisch Talk?

Lange bevor es vereinseigene Talks, Mitglieder-Stammtische oder von Medienhäusern organsierte Formate gab, hat der „FC-Stammtisch Talk“ bereits den Dialog mit Vereinsangehörigen, Spielern, Trainern, Medien und Fans/Mitgliedern geführt. Der FC-Stammtisch Talk war, angelehnt an den „Doppelpass“, Vorreiter und die erste professionelle Talk-Veranstaltung vor der Kamera, die eine Bundesliga-Diskussionsrunde auf Vereinsebene zum Thema hatte. Nun gibt es Überlegungen, das im Mai 2017 vorerst beendete Format wieder aufleben zu lassen.

Von Ralf Friedrichs, Initiator & Moderator des FC-Stammtisch Talk (2009 – 2017)

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FC-Stammtisch Talk, 09/2013: Im Dialog mit dem Präsidenten.

Liebe FC-Fans,

unser 1. FC Köln startet in die Zweitligasaison 2018/2019. Das „neue“ Team unter Markus Anfang hat zweifellos das Potenzial, den Aufstieg in die erste Fußball Bundesliga zu packen. Es könnte zwar weit schwieriger werden, als allgemein öffentlich propagiert wird, dennoch muss der sofortige Wiederaufstieg das klare Ziel sein.

Diese Saison ist also sehr wichtig für den Verein, weil sie richtungsweisend sein wird. Doch nicht nur sportliche Themen sind relevant, auch die Sportpolitik gerät in den Fokus. Auf der Mitgliederversammlung im Oktober wird der Mitgliederrat neu gewählt, diesem wichtigen Gremium obliegt u.a. das Vorschlagsrecht zum neuen Präsidium bei der Wahl 2019. Meiner Meinung nach steht also generell viel Diskussionsstoff für öffentliche und konstruktiv-kritische Debatten an. Und es fällt auf, dass diese Inhalte immer die klassischen Themen des FC-Stammtisch Talks waren.

Als der Talk im Mai 2017 aus diversen Gründen eingestellt wurde, sah ich den Verein auf gutem Wege. Mittlerweile ist die Gewissheit zurück, das der 1. FC Köln  eine allumfassende Talk-Plattform wieder sehr gut gebrauchen kann. Kurzum: Eine Neuaufnahme des fanbasierten Talks, evtl. leicht modifiziert, halte ich für nicht nur für vorstellbar, sondern auch für sinnvoll. Es ist wichtig, die Diskussionen über FC-Themen mit allen Beteiligten zu führen, die öffentlichen Debatten sollten naturgemäß vereinspolitisch weitestgehend neutral moderiert werden. Der kritisch-faire und konstruktive Dialog sollte wie damals im Vordergrund stehen.

Klar ist: Es wird Unterstützung benötigt!

Eine Hintertür zur Rückkehr habe ich mir stets verbal und in meinen Texten offen gelassen. Doch bevor ich nun das Comeback des FC-Stammtisch Talks ausrufe, muss ich klarstellen, dass es ohne die Mithilfe von Institutionen/Unternehmen, die den Talk als Partner strukturell und auch finanziell unterstützen, erneut nicht gehen wird. Es muss also zunächst geprüft werden, ob einer oder mehrere Partner bereit sind, die auffällige und sehr spezielle FC- Dialogplattform mitzugestalten. Dies werde ich nun verstärkt angehen, parallel können ab sofort interessierte Unternehmen/Einzelpersonen oder sonstige Partnerkandidaten mich ab sofort via PN auf Facebook/Forum oder Email mit Anfragen oder auch wg. Tipps und Ratschlägen kontaktieren.

Es vergeht kaum eine Woche, in der ich nicht auf die Wiederaufnahme des Talks in irgendeiner Form angesprochen werde. Diejenigen, die den Talk also gerne wiedersehen wollen, können helfen: Durch Weiterleiten dieses Textes, durch Umhören im Umfeld, durch Tipps usw. Zögert also nicht, sondern werdet in einer euch möglichen Form aktiv. Danke!

Es ist dennoch möglich, dass es an fehlenden Partnern oder allgemein mangelnder Resonanz scheitert, was dann auch okay wäre. Doch findet sich in den nächsten 14 Tagen bis max. drei Wochen eine erste Basis, kann evtl. bereits Ende August der 185. FC-Stammtisch Talk mit der Rückschau auf den ersten FC-Monat in Liga Zwei im Jahr 2018 stattfinden.

Es wird zunächst abzuwarten sein, was nun passiert. Natürlich werde ich die relevanten News zur Thematik hier öffentlich bekannt geben. In diesem Sinne, … Come on, Effzeh!

Euer Ralf Friedrichs

PS: Hier Infos zum FC-Stammtisch Talk von 2009 bis 2017

 

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Der Fußball ist stärker als Marketing

(Edit 29.6.2018 – Es war in der Tat ein großer Moment, aber leider hat die Nationalmannschaft diesen vier Tage später durch die erbärmlich schlechte Vorstellung und der 2:0 Niederlage gegen Südkorea komplett entwertet. Das Tor wird vergessen werden und das historische Aus der Nationalmannschaft wird für alle Zeiten in Erinnerung bleiben. So ist er eben, … unser Fußball!)

Da war er! DER Moment, als alles andere kurzfristig in den Hintergrund rückte. Alles! Die bisher dürftigen Leistungen der Nationalmannschaft, die nölenden Altstars, die unsägliche Erdogan-Debatte, die dusseligen Marketingaussagen die mehr und mehr dafür sorgen, dass die DFB-Elf Richtung Werksverein wandert und und und. EIN einziges Tor zeigt, was der Fußball wirklich wert ist, welche unfassbare Kraft dahinter steht. Kraft um ein ganzes Fußballvolk oder zumindest die immer noch vielen Anhänger der deutschen Fußball-Nationalmannschaft zum kollektiven Ausflippen zu bringen und sie auf eine aufregende Art völlig fertig zu machen. Das Freistoß-Kunstwerk des Toni Kroos, der chirurgische Eingriff in quasi letzter Sekunde erinnert an viele Hollywood Filme, in letzter Sekunde rettet der Held die Welt. Der Held, der schon wie ein großer Verlierer aussah, findet den letzten Ausweg aus dem scheinbar Unvermeidlichen.

Für eine Sekunde war dieses Land, rein fußballtechnisch gesehen, tatsächlich vereint. Der Jubel war ekstatisch, eine Entladung sondergleichen. Eben noch sportlich im Grab gestanden, die größte deutsche Pleite seit allen WM-Zeiten war quasi fix … und dann segelt dieser Ball wie an der Perlenschnur gezogen, als hätte eine Software die einzig mögliche Flugbahn errechnet, genau dahin, wo er hin muss. Man hätte es nicht perfekter machen und nicht besser „timen“ können.

Man wird noch ein wenig warten müssen, bis man weiß, wie wertvoll dieser eine Moment wirklich wahr. Man darf nicht vergessen, noch immer ist ein Vorrundenaus möglich, erst das endgültige Abschneiden wird darüber entscheiden, wie lange dieser Moment nachhallt. Fliegt die deutsche Elf gegen Südkorea raus, dann wird er in Vergessenheit geraten. Schneidet die Löw-Trupp am Ende aber gut ab und liefert auf dem weiteren Weg in dieser WM noch weitere große Schlachten, dann wird er niemals vergessen werden.

Es hat übrigens nicht lange gedauert, dann ging das Gemotze schon wieder los, über die Aussagen des Schützen danach, über die immer noch nicht überzeugende Leistung der Mannschaft, … über über über …  Das ist okay, das kann man machen, muss man wohl auch. Aber all diese Scharmützel – die übrigens schnell vergessen werden – sind nichts gegen die Kraft des Fußballs und des Sports an sich. Diese Momente sind einfach nur geil und nur deswegen, weil ich hoffe solche Momente zu erleben, deswegen liebe ich den Fußball. Dann ab und an verschenkt der Fußball eben solche Augenblicke und für einen kurzen Wimpernschlag empfindet man einfach nur pures Glück!

Danke!

Die große Story der FC-WM Torschützen

Wenn am Donnerstag die Fußball-Weltmeisterschaft beginnt, dann wird auch der 1. FC Köln in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft mit einem Spieler vertreten sein.

Jonas Hector hat nicht nur den Sprung nach Russland geschafft, er gilt auch als ziemlich sicherer Startelfkandidat, auch wenn seine Form nach zwei schwächeren Spielen in der Vorbereitung nun besser wieder ansteigen sollte.

Im Ranking der Beteiligungen (lt. Spiegel-Bericht) über alle Weltmeisterschaften hinweg nimmt der Effzeh mit 51 Teilnahmen national den dritten Rang ein. Nur der BVB (54 Teilnahmen) und natürlich die übermächtigen Bayern (105 Teilnahmen) liegen vor dem Verein mit dem Geißbock auf der Brust.

Wer kennt den ersten Kölner WM-Spieler?

Ebenso erfreulich ist die Trefferausbeute der kölschen Kicker bei Weltmeisterschafts-Endrunden (alle FC-Treffer im Video oben). Immerhin 28 Tore und damit 12,5 %  steuerten die Männer vom Rhein in die Gesamtwertung von 224 Treffern mit bei. Die ersten beiden Turniere 1934 und 1938 waren dabei logischerweise FC-frei, weil der Verein erst 1948 gegründet wurde.  Dennoch war bereits bei der DFB-Premiere mit Matthias Heidemann ein echter, geborener Kölner (spielte für VfR Köln 04 rrh, Bonner FV , Werder Bremen) mit von der Partie, der auch im Spiel um Platz drei bei den WM entscheidend beteiligt war, in dem er den ersten Treffer vorbereitete.

1954 nahm Deutschland erstmals nach dem Krieg wieder am Weltturnier teil und es war einem Spieler des 1. FC Köln vergönnt, das erste deutsche Tor seit der WM 1938 zu erzielen. Hans Schäfer gelang dieser Treffer zum wichtigen 1:1 Ausgleich im ersten Spiel gegen die Türkei, welches am Ende mit 4:1 gewonnen wurde. Im zweiten Spiel (7:2) gegen die Türkei traf Schäfer gleich doppelt und im Halbfinale gegen die favorisierten Österreicher blieb es dem kölschen Fußball-Idol vorbehalten, die 1:0 Führung zu erzielen. Am Ende gewann die DFB-Elf gar mit 6:1, erreichte das Finale gegen Ungarn und schrieb Fußballgeschichte. Schäfer traf im Endspiel zwar nicht, flanke aber einmal entscheidend nach innen …

Die große Zeit des Hans Schäfer

Bei der WM 1958 konnte Hans Schäfer seine WM-Endrunden Torquote weiter ausbauen, er traf in der Vorrunde gegen die Tschechoslowakei, im Halbfinale zur 1:0 Führung gegen Schweden und schließlich im Spiel um Platz drei gegen Frankreich. Am Ende erreichte die Herberger-Elf den vierten Platz.

In Chile war Schäfer 1962 dann ein letztes Mal bei einer WM-Endrunde vertreten, doch durch die stark defensive Ausrichtung des Teams gelangen in vier Partien nur vier Treffer und Schäfer, der wie 1958 erneut Kapitän der DFB-Auswahl war, spielte weiter zurückgezogen und konnte keinen weiteren Torerfolg für sich verbuchen. Dennoch ist „de Knoll“ mit sieben Toren bis heute bester Schütze des 1. FC Köln bei WM-Endrundenturnieren.

Die Sternstunde des Wolfgang Weber

Bei der WM in England im Jahr 1966 mussten FC-Fans bis zum letzten Spiel und bis zur 90. Minute warten, doch es war nicht Wolfgang Overath – der neue Stern am FC-Himmel – der ganz Deutschland zum Jubeln brachte und im Finale gegen England das deutsche Team in die Verlängerung schoss. Kölns Abwehrtalent Wolfgang „Bulle“ Weber erfüllte sich den Traum eines jeden Fußballers, nämlich in einem WM-Finale zu treffen. Der Weltmeister-Pokal blieb letzten Endes durch das berühmte Wembley-Tor in der Verlängerung aber doch in England. Doch Wolfgang Weber hat sich im Köln und sicher auch in Deutschland durch dieses Tor zum zwischenzeitlichen 2:2 unsterblich gemacht. Bis heute ist er der einzige FC-Spieler, der in einem WM-Finale traf.

Die von vielen immer noch als eine der besten titulierte WM 1970 in Mexiko sah erneut ein Tor eines FC-Spielers. Der wie bereits 1966 insgesamt groß aufspielende Wolfgang Overath erzielte im Spiel um Platz drei den entscheidenden Treffer zum 1:0 gegen Uruguay. Das kleine Finale ging also an das Team von Bundestrainer Helmut Schön, dies tröstete ein wenig über die 4:3 Halbfinal-Niederlage im „Jahrhundertspiel“ gegen Italien hinweg. Wolfgang Overath wurde von der Fachpresse als einer der besten Mittelfeldspieler des Turniers gewürdigt.

Die Heim-WM 1974 sah dann eine kleine FC-Premiere, erstmals konnten sich zwei Spieler des 1. FC Köln in die Torschützenliste eintragen. Im Vorrundenspiel gegen Australien (3:0) traf nicht nur Mittelfeldchef Wolfgang Overath zur Führung, auch Abwehrspieler Bernd Cullmann konnte sich per Kopfball zum 2:0 als Torschütze auszeichnen.

Der große WM-Star Wolfgang Overath

In der sogenannten zweiten Finalrunde, die insgesamt darüber entschied, wer das Finale erreicht,  erzielte Overath dann seinen letzten WM-Treffer. Beim hart umkämpften 4:2 Sieg über die Schweden traf Overath zum 1:1 Ausgleich. Es reichte schlussendlich  für das DFB-Team für das Finale gegen Holland, welches Deutschland mit 2:1 gewann. Overath, zuvor WM-Dritter und Vize-Weltmeister gehört damit zu den wenigen Spielern auf der Welt, die alle drei ersten Plätze belegen konnten.

Die WM 1978 in Argentinien genießt einen extrem schlechten Ruf, doch dies ist dem Gesamtkader gegenüber aus rein sportlicher Sicht nicht ganz fair. Die meisten schauen nur auf die 3:2 Niederlage gegen Österreich, die als „Schmach von Cordoba“ in die WM-Geschichte einging. Dabei wird allerdings gerne vergessen, dass die DFB-Auswahl in fünf Spielen bis zu diesem Zeitpunkt lediglich 2 Gegentore kassiert hatte.

Mit den starken Polen, den zuvor als Geheimfavoriten genannten Mexiko, den großen Nationen aus Italien und Holland hatte man Premium-Gegner erwischt und keine Mannschaft war bis dahin in der Lage die deutsche Elf zu schlagen. Lediglich beim 0:0 gegen Außenseiter Tunesien spielte man sehr schwach. Beim 6:0 über Mexiko aber sah man streckenweise Zauberfußball, mit Mittelfeld-Regisseur Heinz Flohe traf erstmals seit Hans Schäfer 1954 wieder ein FC-Torschütze doppelt und auch Dieter Müller konnte sich mit Treffern gegen Mexiko und Holland empfehlen.

Flohes Traumtore bei unglücklicher WM

Letzten Endes entschied das späte 2:2 der Holländer nur sechs Minuten vor Schluss durch René van de Kerckhoff über diese WM aus deutscher Sicht. Hätte man das Ergebnis über die Zeit gerettet, was möglich gewesen wäre, dann wäre die deutsche Elf als Tabellenführer ins letzte Spiel gegen die nach zwei Niederlagen bereits faktisch ausgeschiedenen Österreicher gegangen. Man hätte aus der Position der Stärke und aus eigener Kraft das Endspiel erreichen können, was sich ganz sicher auch auf die Motivation ausgewirkt hätte. Aber man hat eben nicht diese sechs Minuten überstanden und nun waren die Chancen auf die Final-Teilnahme sehr gering und so spielte die Mannschaft dann leider auch. Das Ergebnis ist bekannt. Die Österreicher, für die es nur noch um einen guten Abschluss der WM ging, besiegten eine an dem Tag in Cordoba in der Tat behäbige deutsche Elf verdient mit 3:2.

Diese WM war also vom Endergebnis her tatsächlich sehr negativ, der Verlauf aber bis zu diesem Spiel in Cordoba war bei weitem nicht so schlecht, wie er hinterher gemacht wurde. Aber bekanntermaßen zählt eben nur das Endergebnis.

„Litti“ erobert die Weltbühne

1982 fand die WM in Spanien statt und obwohl am Ende das Finale erreicht wurde, gilt diese WM aus deutscher Sicht als wenig schmeichelhaft. Niederlage gegen Algerien, der „Nichtangriffspakt von Gijón“ gegen Österreich und auch FC-Torwart Toni Schumacher mit seinem Foul am Franzosen Battiston sorgten für die Negativ-Schlagzeilen. Dennoch gab es auch positives zu berichten, beim 2:1 Sieg in der Zwischenrunde gegen Gastgeber Spanien trafen die beiden FC-Spieler Pierre Littbarski und Klaus Fischer. Letztgenannter war von 1981 bis 1984 (31 Tore) tatsächlich für den 1. FC Köln aktiv, was heutzutage nicht mehr sehr vielen bekannt ist. Jedenfalls entschieden das FC-Supertalent und der altgediente Torjäger das Spiel und halfen somit ordentlich mit, dass das Halbfinale gegen das favorisierte Frankreich erreicht wurde.

… und auch dort sorgten die FC-Jungs für Furore, „Litti“ erzielte zunächst die 1:0 Führung gegen Platini und Co. Die Franzosen konnten ausgleichen und gingen in der Verlängerung gar mit 3:1 in Führung, ehe Rummenigge nach Littbarski Vorlage verkürzte und kurze Zeit später Klaus Fischer mit einem Fallrückzieher (natürlich) – auch hier war Littbarski an der Vorbereitung beteiligt – ausgleichen konnte. Das Elfmeterschießen entschied Deutschland dann für sich, hier überzeugte FC-Torwart Schumacher sportlich, indem er zweimal parierte und auch Littbarski konnte seinen Elfmeter verwandeln.

Im Endspiel gegen Italien war die DFB-Auswahl dann chancenlos und ging 1:3 unter, ein Sieg wäre trotz des großen Spiels gegen die Franzosen unter dem Strich auch nicht verdient gewesen.

Der kölsche Düsseldorfer trifft

Vier Jahre später, bei der Weltmeisterschaft 1986 in Mexiko, trug sich mit Klaus Allofs ein neuer FC-Name in die WM-Torjägerliste ein. Der geborene Düsseldorfer war von 1981 bis 1987 in Köln heimisch, wurde Leistungsträger und Kapitän und absolvierte immerhin 29 seiner 59 Länderspiele als FC-Aktiver.  Im Auftaktspiel am 4. Juni gegen Uruguay war Deutschland nach einem schweren Fehler von Lothar Matthäus in Rückstand geraten, bis Allofs – fast noch von Rudi Völler behindert – in der 84. Minute zum vielumjubelten Ausgleich traf. Die Auftaktniederlage wurde damit in der Gluthitze von Querétaro so eben noch abgewendet.

Vier Tage später liefen die Männer von Teamchef Franz Beckenbauer gegen Schottland erneut einem Rückstand hinterher, ehe zunächst Völler ausglich. In der zweiten Halbzeit war es dann erneut Klaus Allofs, der den Endstand herbeiführte. Sein Treffer sicherte den wichtigen Sieg und quasi das Weiterkommen nach der Vorrunde, die anschließende Niederlage gegen Dänemark konnte man verschmerzen. Im Viertelfinale dann erneut Jubel um einen FC-Spieler. Pierre Littbarski verwandelte den entscheidenden Elfmeter im Viertelfinale gegen Gastgeber Mexiko. FC-Torhüter Toni Schumacher hatte „Litti“ durch zwei gehaltene Elfmeter die Gelegenheit gegeben, sich als Matchwinner auszuzeichnen. In den offiziellen Torjägerlisten tauchen jedoch Tore aus Elfmeterschießen nie auf, daher wurden sie auch in der FC-Bilanz nicht mitgezählt.

Das Beckenbauer-Team erreichte nach einem überraschenden Erfolg im Halbfinale über hochfavorisierte Franzosen erneut das Endspiel, war aber gegen Maradona in Bestform und seinen argentinischen Zuarbeitern trotz großem Kampf berechtigterweise unterlegen. FC-Torwart Schumacher, der zuvor großen Anteil am Finaleinzug hatte, erlebte genau dort leider einen „gebrauchten Tag“ und verschuldete bei der 3:2 Niederlage mindestens einen Treffer der Argentinier.

Die Weltmeisterschaft in Italien 1990 wurde bekanntermaßen für deutsche, aber auch für kölsche Kicker zu einem großen Fest. Nach teils großartigen Spielen u.a. im Achtelfinale gegen Holland oder im Halbfinale gegen England, als FC-Torwart Bodo Illgner einen Elfmeter hielt, wurde das Finale von Rom gegen Argentinien erreicht. Gleich drei FC-Spieler waren von Anfang bis Ende mit dabei. Bodo Illgner, Pierre Littbarski und Thomas Häßler hielten nach dem 1:0 Sieg über Argentinien am Ende den Weltpokal in die Höhe. Littbarski erzielte dabei fast ein tolles Tor, in Minute 46 tanzte er auf unnachahmliche Weise drei Argentinier aus, zog aus 16 Metern ab und verfehlte den Kasten nur um Zentimeter.

Nach Littbarskis Tor beginnt eine lange Wartens- und Leidenszeit

Dennoch mussten die FC-Fans auf einen Treffer ihrer Jungs bei dieser WM nicht verzichten. Im Vorrundenspiel gegen Kolumbien war es schließlich Pierre Littbarski vergönnt, dem wohl verrücktesten Torwart der WM-Geschichte – René Higuita – kurz vor Schluss einen Ball zum 1:0 ins Netz zu legen. Für den Sieg reichte dies aber nicht, da Kolumbien mit dem Schlusspfiff noch ausgleichen konnte. Der DFB-Elf konnte es egal sein, sie war nach zuvor zwei Vorrundensiegen bereits locker für das Achtelfinale qualifiziert.

„Italia Novanta“ sollte aber der letzte große Erfolg sein, an dem FC-Spieler beteiligt waren. Nach dieser WM erlebte der FC bekanntermaßen einen schleichenden Niedergang. Bei der WM 1994 war nur noch Bodo Illgner mit dabei, die WM in den USA wurde nicht nur durch das Viertelfinalaus gegen Bulgarien zum Misserfolg und auch Illgner trat nach enttäuschender persönlicher Leistung zurück. Die Weltmeisterschaften 1998 und 2002 mussten dann komplett ohne FC-Jungs im DFB-Trikot auskommen, diese hatten im Aufzug zwischen erster und zweiter Liga sowieso kaum die Chance, sich für die Nationalelf zu empfehlen.

Die Ankunft des Prinzen

Bei der Heim-WM 2006 war es dann wieder soweit, erstmals nach 12 Jahren war wieder ein Spieler des 1. FC Köln dabei und dieser wurde zum Gesicht dieser Weltmeisterschaft und zu einem DER DFB-Spieler schlechthin. Lukas Podolski betrat erstmals die Weltbühne und wurde sogleich zum Jungstar der WM gewählt. Dies war die Folge von gleich drei Volltreffern des jungen Kölners, der die 16-jährige torlose Zeit von FC-Spielern bei WM-Endrunden am 20.6.2006 durch sein 3:0 gegen Ecuador endlich beendete. Noch besser lief es dann im Achtelfinale gegen die Schweden, denn dort traf „Prinz Poldi“ gleich doppelt. Der 2:0 Sieg über die Skandinavier geht damit komplett auf sein Konto und damit auch irgendwie ein wenig auf das Konto des 1. FC Köln. Auch in den folgenden Spielen bis zum Spiel um Platz drei war Podolski dabei, einen weiteren eigenen Torerfolg konnte er aber nicht mehr feiern. Dafür aber den dritten Platz der DFB-Auswahl unter Klinsmann und Löw, der als großer Erfolg gefeiert wurde.

Leider waren dies die vorerst letzten Aktionen des Jungstars für den FC, denn bedingt durch den neuerlichen Abstieg verließ Podolski den FC nach der WM Richtung Bayern München. Rechtzeitig vor der WM 2010 kehrte Poldi im Jahr 2009 zu seinem FC zurück und so war auch die FC-Beteiligung bei der Weltmeisterschaft in Südafrika gesichert. Und Podolski lieferte sofort, er erzielte das erste Tor der Nationalmannschaft bei diesem Turnier. Sein 1:0 Gewaltschuss gegen Australien (Endstand: 4:0) war das Startsignal für eine insgesamt großartige WM der Männer um Bundestrainer Jogi Löw. In der Folge wurden im Achtelfinale England mit 4:1 sowie Argentinien im Viertelfinale mit 4:0 distanziert. Lukas Podolski trug sich beim Sieg über England durch sein 2:0 ein zweites Mal in die Torschützenliste ein.  Im Halbfinale war für das Löw-Team dann gegen den späteren Weltmeister Spanien Schluss, dennoch wurde auch dieser dritte Platz als Erfolg gewertet.

Podolskis Tor gegen England liegt nun auch bereits wieder acht Jahre zurück, er selbst wurde mit wenigen Spielanteilen 2014 in Brasilien zwar Weltmeister, dies aber für die Farben vom FC Arsenal, zu denen der Prinz nach dem FC-Abstieg 2012 wechselte.  Ein Tor war ihm in seinen zwei Kurzeinsätzen nicht mehr vergönnt, dennoch gilt Podolski als kölscher Weltmeister, wenn auch aus genanntem Grund nicht offiziell.

2018 mit einem Hec-Tor?

Bei der nun stattfindenden WM 2018 in Russland liegen die Hoffnungen der FC-Fans also auf Jonas Hector. Der linke Außenverteidiger ist nun alles andere als eine „Tormaschine“, allerdings hat er in 38 Länderspielen immerhin drei Mal getroffen. Beim 4:1‑Testspielsieg gegen Italien am 29. März 2016 erzielte er sein erstes Länderspieltor mit dem Treffer zum 3:0. Ein weiteres Mal konnte er Italiens Nationalheiligtum, Torwart-Legende Gianluigi Buffon, bei der EURO 2016 überlisten, als Hector im entscheidenden Elfmeterschießen mit seinem Schuss vom Punkt den ersten Turniersieg über Italien sicherte. Auch beim 1. FC Köln schießt Hector seltene, aber meist wichtige oder zumindest bemerkenswert schöne Treffer. Sein Tor im letzten Spiel der Saison in Wolfsburg wurde soeben zum Bundesliga-Tor der Saison gewählt.

Warum also soll Hector nicht auch in Russland für das 29. FC-Tor sorgen? Gerne auch am letzten Tag der WM in der letzten Minute der Nachspielzeit zum 1:0 …

Danke Dome!

„Hallo, ich bin der Dome“ so stellte sich 1. FC Köln Profi Dominic Maroh bezüglich des FC-Stammtisch Talks am 22.9.2014 lächelnd bei mir vor. Das Eis war sofort gebrochen und relativ flott wurde mir im darauf folgenden Gespräch klar, dass es sich bei dem gebürtigen Nürtinger nicht nur um einen wertvollen FC-Spieler handelt, sondern das unser „Grätschen Gott“ auch privat – wie man in Köln sagt – „ne janz feine Jung“ ist. Eine Wertung der Stammtischgäste auf menschlicher Ebene wird es nie geben, aber – soviel darf man sagen – „Dome“ ist wirklich einer derjenigen, die absolut positiv herauszuheben sind. Das öffentliche Bild stimmt!

Auf dem Fußballplatz hat er das auch immer bestätigt, denn der Deutsch-Slowene gehört ganz sicher zu den Eckpfeilern der letzten sechs Jahre und hat seinen großen Anteil daran, dass davon fünf Jahre doch recht erfolgreich waren.

Er war gleich 2x beim FC-Stammtisch zu Gast, beim zweiten Mal am 7.3.2016 äußerte er sich auch zum „Traum Europa“, der ja gut ein Jahr später auch für ihn wahr wurde. Umso überraschender war es, das ihn der damalige FC-Trainer erstmalig nicht für den Kader für das Spiel bei Arsenal London nominierte. Verletzt war Maroh jedenfalls nicht und daher waren viele FC-Fans zurecht verwundert, manche – wie ich auch – sehr verärgert. Immerhin kam er später noch auf drei Europapokaleinsätze für den FC und war an den beiden Rückspielsiegen gegen Borisov und Arsenal beteiligt.

Snapshot - 91Besonders gerne erinnere ich mich an seinen Tippspielgewinn, nachdem er in diesem Talk das komplett richtige Ergebnis des FC in Hannover vorhergesagt hatte (2:0 Sieg, er selbst fehlte gelbgesperrt und durfte daher tippen), versorgte ich ihm noch am Geißbockheim mit einem kleinen Siegerfässchen, welches er erfreut entgegennahm. „Zum ersten Mal seit 10 Jahren richtig getippt, deswegen trete ich jetzt auch auf dem Höhepunkt ab und beende meine Karriere als Tipper“ meinte er grinsend und versprach, das Fass gemeinsam mit den Kollegen „in Angriff zu nehmen“.

In letzter Zeit war Maroh vom Verletzungspech verfolgt, was ihn sicher auch etwas zurückgeworfen hat. Dennoch erscheint es mir unverständlich, auf einen solch erfahrenen Spieler in Liga 2 zu verzichten. Meines Erachtens hätte er noch mindestens einen guten Backup auf seiner Position gegeben, wenn nicht sogar mehr.

Im Heimspiel gegen die Bayern erhielt Maroh nun die verdienten Ovationen des Publikums. An dieser Stelle auch hier ein dickes „Danke Dome“ für sechs Jahre Leidenschaft, Einsatz und für zwei Tore beim Sieg über die Nachbarstadt! Mach et joot!

 

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Nachtrag: Dieser Beitrag wurde auch über Facebook geteilt und in der Folge von Dominic Maroh kommentiert. Auch dafür Danke!

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Mut zur konstruktiven „Unruhe“

Von Ralf Friedrichs

Offene, faire und kritische Debatten zwischen Verein, Fans & Mitgliedern und Medien sind gefragt.

Der 1. FC Köln hat am Wochenende den Abstieg Nummer sechs eingetütet. Die 3:2 Niederlage in Freiburg, wo der FC aus Tradition eh nur zum Punkte abgeben hinfährt, besiegelte das, was im Prinzip bereits seit vielen Monaten klar war. Die zweite Liga darf sich somit erneut auf ein echtes „Brett“ freuen, zumindest was die reine Größe des Vereins angeht. Denn der 1. FC Köln steht, was die Mitgliederanzahl (101.000) bezgl. reiner Fußballvereine angeht, auf Platz 15, wohlgemerkt weltweit! Mannschaften wie Real Madrid (92.000), Mönchengladbach (83.000) und der angeblich so große HSV (78.000) müssen sich dahinter einreihen. In Deutschland ist der Effzeh die Nummer vier: Die Bayern als  die weltweite Nummer 1 thronen  mit 290.000 Mitgliedern vor den Ruhrpott Vereinen aus Dortmund (153.000) und Schalke (150.000). Da aber die Münchner im Prinzip ein ganzes Bundesland wie Bayern schon laut Namen repräsentieren und der BVB und S04 ganze Regionen und Städte im Ruhrgebiet für sich vereinnahmen, ist der FC – trotz ebenso der Einbindung eines gewissen Umkreises – unter den Stadtvereinen so etwas wie die heimliche Nummer 1.

Doch wie man wieder einmal erkennen kann, steht die reine Größe nicht automatisch für Stärke. Denn all die vielen Mitglieder verhindern keineswegs sportliche Fehlentwicklungen oder falsche Entscheidungen von Funktionsträgern. Sie haben generell wenig Einfluss auf die Geschicke des Vereins. Dies, obwohl es einen Mitgliederrat gibt, der aber von den Vereinsbossen nicht allzu ernst genommen wird, so zumindest die Eindrücke der letzten 24 Monate. Denn dieser Mitgliederrat äußert sich kritisch, etwas was in Köln seit geraumer Zeit nicht gern gesehen wird.

Destruktive Kritik will kein Mensch

Generell hat der 1. FC Köln in den letzten Jahren eine neue Strategie entwickelt, die sich zunächst auch sehr gut anhört. Kritik an den Entscheidern bringt Unruhe und Unruhe schadet, Unruhe ist schlecht. Wenn Unruhe im Umfeld droht, wenn Kritik geäußert wird, dann ist aus dem Geißbockheim sehr schnell der Vorwurf der negativen Einflussnahme zu hören. Unruhe stört die nachhaltige Arbeit, von außen reingetragene Störfeuer verunsichern Mannschaft, Trainer und Manager. So etwas darf nicht sein und es wird gegeißelt, bereits im Ansatz erstickt. So weit, so richtig.

Aber nur dann, wenn es sich um destruktive Kritik handelt, wenn tatsächlich negative Gedanken nur um des negativen Gedanken willens in den Verein reingetragen werden. Dann hat der Verein und mit ihm seine Führungspersönlichkeiten sogar die Pflicht „dazwischenzuschlagen“ und für Ruhe zu sorgen. Hierbei hat der FC aber in letzter Zeit die Maßeinheiten neu definiert und sich dabei keinen Gefallen getan. Denn es ist etwas entstanden, was niemals passieren darf, eine fast schon keimfreie Wohlfühloase.

Von Rücksichtsnahme zur Wohlfühloase?

In der Vergangenheit konnte man in der Tat Einflüsse aus dem Umfeld für Fehlentwicklungen verantwortlich machen. Vor dem Abstieg 2012 war der 1. FC Köln quasi Freiwild für die Medien, ähnlich wie heute der HSV behandelt wird, so wurde auch der FC als Chaosverein ohne jegliche Kompetenz gesehen und beschrieben. Auch wenn es in der Tat erhebliche Irrtümer und Fehlleistungen zu bestaunen gab, die Medien feuerten aus allen Rohren und übertrieben es sicher das eine oder andere Mal dabei. Nach dem Abstieg 2012 stand der Verein kurz vor der Insolvenz, quasi vor rauchenden Ruinen. Die berühmte „schwarze Wand“ von Müngersdorf, die es im letzten Heimspiel gegen Bayern München zu sehen gab, symbolisierte dies. Nach diesem Abstieg, dieser „Stunde null“ des Vereins, machte sich die noch frische Vorstandscrew um Werner Spinner ans Werk und baute den Verein wieder neu auf. Unterstützt wurden sie dabei vom „Umfeld“, der Fan gab eine überlebenswichtige Anleihe, die Mitglieder wurden zahlreicher und die Medien wurden zahmer und rücksichtsvoller. Es schien eine stillschweigende Übereinkunft zu herrschen, denn so gut wie alle Artikel waren wohlwollend. Es herrschte eine fast schon kollegiale Zusammenarbeit zwischen Verein und Medien.

Dies war kein Wunder, denn der Club traf viele gute Entscheidungen. Nach einem einjährigen Intermezzo von Holger Stanislawski fand man in Peter Stöger den idealen, ja fast schon perfekten FC-Trainer. Dieser hatte mit einer auf Sicherheit und Defensivstärke basierenden Spielweise ein passendes Fundament für ein eher durchschnittliches Team gefunden, welches vom neuen starken Mann am Geißbockheim, Jörg Schmadtke, mit der Zeit verstärkt wurde. Spieler wie u.a. Anthony Modeste, Dominique Heintz, Leo Bittencourt und andere fanden den Weg in den Kölner Grüngürtel.

Eine Zeitlang war alles perfekt, fast alles …

Es war alles gut beim Effzeh, der Aufstieg gelang und zwei Jahre lang hatte man mit dem Abstieg rein gar nichts zu tun. Allerdings gab es Anlass zu ersten Kritik, denn die Spielweise der Geißböcke war zum Großteil unattraktiv. Ein 0:0 war dem Trainer lieber als die Gefahr, am Ende noch einmal ausgekontert zu werden. Erste, zarte Kritik an dieser Spielweise wurde aber derb gekontert. Von einer zu hohen Erwartungshaltung war dann schnell die Rede, von Unruhe, die von außen reingetragen werde usw. Und die breite Masse gab den Vereinsoffiziellen Recht. Dabei war es schon diskussionswürdig, warum in Minute 75 dann doch wieder ein weiterer Innenverteidiger eingewechselt wurde, wenn doch der Gegner nicht gerade Angst und Schrecken verbreitete.

Man muss dazu sagen, dass diese Kritik neu war, denn im Prinzip hatte es zunächst lokal, dann aber auch überregional Lobeshymnen der Medien gegeben. Und dies tat allen gut, nach Jahren voll triefendem Hohn und Spott wurde der FC nun landesweit über den grünen Klee gelobt. Als die Süddeutsche den FC mit einem schwäbischen Musterverein verglich, war dies einem Ritterschlag gleichzusetzen. Die sogenannten „Leitmedien“ feierten den FC, der auf einmal so sympathisch auftrat. Der charmant-humorvolle Wiener Peter Stöger, der bärbeißig-brummelige Düsseldorfer Jörg Schmadtke, der seriöse Ex-Bayer Vorstand Werner Spinner, der jecke aber irgendwie geläuterte Toni „Tünn“ Schumacher, … sie alle wurden regelrecht gefeiert. Auf allen Sportseiten und auf allen TV-Kanälen.

Das neue Credo des FC, Schmadtkes „Ruhiiiig bleiben“

Wie und wo wollte man etwas kritisieren? Es war doch alle prima … und sollten die Fans einmal etwas zu euphorisch werden, dann wurde Schmadtkes „Ruhiiiig bleiben“ Video entgegengesetzt. Überhaupt wurde dieses „Ruhiiiig bleiben“ zum neuen Credo vieler FC-Fans. „Bloß keine Unruhe aufkommen lassen, Unruhe hat uns 2012 fast kaputt gemacht.“ Diskussionen wurden somit schwieriger, im Umfeld und medial.

Offizielle Fanabende wurden zu reinen Jubel-Veranstaltungen, die Mitgliederversammlung ebenso. Diskussionen um eventuelle Verbesserungsoptionen auf diversen Ebenen wurden nicht toleriert. Der Verein wurde generell restriktiver gegenüber leicht geübter Kritik. Der Autor dieser Zeilen hat dies auch einige Male bei Talkabenden rund um den FC-Stammtisch gespürt. Kritik an der Spielweise? „Man muss doch bedenken, wo wir herkommen.“ Kritik an der Spielidee, die sich im Prinzip seit Jahren nicht änderte, also lange Bälle auf Ujah, später Modeste … sie wurde niedergebügelt. Erste, sehr berechtigte Kritik an der Transferpolitik, bereits im Sommer 2016 … „also bitte, keine Unruhe.“

Reizklima kann förderlich sein

Man kann folgende These aufstellen: Die Verantwortlichen im Geißbockheim hatten sich an die Lobesarien gewöhnt, sie wirkten mit der Zeit der Realität entrückt und sie fühlten sich fatalerweise auch noch bestätigt, als der 1. FC Köln den fünften Platz und damit erstmals nach 25 Jahren die Rückkehr in den Europapokal schaffte. Dabei war dieser fünfte Platz u.a. auch der „Unruhe“ zu verdanken. Mit einem zu dieser Zeit mutigen Artikel im Express hatte Autor Alexander Haubrichs im Endspurt rund um diesen Europlatz für Furore gesorgt. Der FC hatte sich nach zwei äußerst peinlichen Niederlagen gegen Gladbach und in Augsburg fast schon selbst um alle Chancen gebracht, als dieser Artikel in der Tat für „Unruhe“ sorgte. Denn dieser Text nannte real existierende Missstände, die Kritikern, die es durchaus gab, schon lange bekannt waren. Im Verein war man, gelinde gesagt, stinksauer und ließ dies den Autor auch deutlich spüren. Aber, es war ein Reizklima geschaffen worden. Kurzfristig bestand eben keine Wohlfühloase mehr, die Mannschaft steigerte sich nun im Endspurt im erheblichen Maße. Schon im nächsten Spiel gegen Hoffenheim sah man eine ganz andere Mannschaft, die nur durch ein unglücklich, spätes Gegentor den Sieg verpasste. Aber sie sah anders aus, als in den Vorwochen. Eventuell ist ein Reizklima zur passenden Zeit doch nicht leistungsschwächend. Es führte den FC dann tatsächlich, mit etwas Glück, nach Europa.

Kritik kann und soll eben konstruktiv sein. Sie ist nicht automatisch negativ. Sie muss immer begründet sein, die Argumente müssen passen … und das Gegenüber muss diese Kritik annehmen und sich damit auseinandersetzen. Dann kann Kritik viel bewirken. Es ist im Grunde nichts anderes, als in der Familie. Jeder liebt seine Kinder, aber ohne Kritik kommen Kinder kaum weiter. Dies gilt auch im umgekehrten Fall, wenn zumeist bereits größere Söhne und Töchter an ihren Eltern Kritik üben. Dann muss man sich als Elternteil damit auseinandersetzen, auch wenn es einem nicht immer passt.

Kritikresistenz und Arroganz erobern das Geißbockheim

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Überdenkt Werner Spinner seinen Kurs? Viele sagen: Er sollte.

Beim 1. FC Köln war diese Einsicht mehr und mehr verloren gegangen, so wirkte es jedenfalls. In der Sommerpause 2017 jedenfalls wurde immer klarer, dass die zuvor extrem erfolgreichen und gut arbeitenden Führungskräfte im Geißbockheim komplett das Maß verloren hatten. Präsident Werner Spinner griff vehement die Mitgliederinitiative „100% FC“ an, die nichts anderes wollte, als seriös und ergebnisoffen über einen veränderten Satzungsentwurf zu diskutieren. Es war der Präsident, der „Lunten“ legte, nicht die Initiative. In diversen Interviews wurden weiterhin Kritiker der China-Pläne des FC verbal niedergebürstet. Die katholische Kirche nahm Spinner in einem Interview ins Gebet, „sie solle doch vom FC lernen“. All diese Auftritte und noch einige mehr kann man nicht mehr als selbstbewusst bezeichnen, sie zeigen eher eine Form der Arroganz. Eine Arroganz, die scheinbar auf immer stärker werdende Kritikresistenz basierte. Der Begriff vom „Elfenbeinturm“ machte in Fankreisen als Bezeichnung für die Chefetage die Runde. Dazu passen die auch immer wieder geäußerten Vorwürfe und die Missachtung des Mitgliederrats. Dieser Mitgliederrat repräsentiert über 101.000 weitere zahlende Angehörige des Vereins. Leute, die der 1. FC Köln dringend haben wollte, dafür kostspielige Werbekampagnen inszenieren ließ. Wenn man diese Menschen haben will, dann muss man deren Mitbestimmungsrechte ernst nehmen und das Gremium dazu ebenso. Auch wenn dem Vorstand eventuell der ein- oder andere Vertreter persönlich nicht passt oder deren Meinung. Damit hat man sich auseinanderzusetzen und nicht nach Gutsherrenart dem Gremium gegenüber zu agieren. Dieser Eindruck aber wird vermittelt.

Offene Debatte über den Job Schmadtkes wurde nicht geführt

Auch der Geschäftsführer Sport, eh bereits mit einem starken Selbstbewusstsein ausgestattet, schlug mehr und mehr diese Arroganz-Richtung ein. Die Wahl des Magazins „11FREUNDE“ im Mai 2017 zum Manager des Jahres wird dies nicht zwingend gelindert haben. Jedenfalls bügelte Schmadtke Kritiker, die sich in der Sommerpause 2017 und nach dem schwachen Saisonstart wegen der Transferphase durchaus zu Wort meldeten, als ahnungslos ab. Er selbst sah sich als Opfer, wähnte sich als Gehetzter der Medien und deren „Kampagnen“ und fühlte sich als „meistgehassten“ Mann in Köln, wie er auf einer Diskussion ausführte um dann kurze Zeit später Geschichte zu sein.

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Große Verdienst zu Beginn, am Ende stark kritisiert. Jörg Schmadtke polarisiert noch immer.

Man kann mutmaßen, dass eine offen geführte Debatte eine kritischere Sicht auf Schmadtkes Arbeit – auch bereits VOR dem desaströsen Transfersommer 2017 – ermöglicht hätte. Eventuell hätte dies auch zu mehr Kontrolle dieses Tätigkeitsfelds geführt, aber man verließ sich auf Gottvertrauen und ließ Schmadtke weiter agieren, … manche behaupten eher „nicht agieren“.

Peter Stöger hingegen blieb aber der charmante Trainer und wurde in der breiten Masse von jeglicher Kritik ausgespart. Dabei gab es auch hier Ansätze, die im Prinzip sich kaum verändernde Spielweise war nur ein Aspekt. Man kann auch die bereits legendäre Standardschwäche des FC nennen. Aber Stöger war in Köln „everyones Darling“, jemand den man gerne zum Kumpel hat. Immer bereit für ein Selfie, ein Autogramm oder ein nettes Wort. Bürgernah, offen für Köln und seine Vorzüge wie Karneval und Feiern aller Art. Dies wurde uns auch immer wieder vor Augen geführt, denn die Medien zeigten uns den weltoffenen Trainer, wie er in Köln agierte, in die Kameras lächelte und charmante Dinge sagte.

Die Treue zu Stöger: Beeindruckend! Sympathisch! Menschlich! Und falsch!

Es mag sein, das ihn all diese Eigenschaften bereits früher vor Kritik bewahrt haben. Doch in der sportlichen Krise nach dem Sommer 2017 wurde ein regelrechtes Schutzprogramm aufgebaut. Der Trainer war alleine durch die Europateilnahme sakrosankt geworden und sein offenes Leben in der Kölner Gesellschaft führte nun zu einem öffentlichen Schutzmechanismus von dieser Seite. „Ich stehe zu Peter Stöger“ (wohlgemerkt nicht „ich stehe zum 1. FC Köln“) war selbst nach zig Niederlagen aus allen Ecken zu hören. Insbesondere in den sozialen Netzwerken konnte man diesen bemerkenswerten Satz lesen. Nicht selten mit einem Profilbild von sich eben mit diesem Peter Stöger zusammen. Das war beeindruckend! Sympathisch! Menschlich! Und es war falsch!

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Lange beliebt und fern jeder Kritik: Volkstribun Peter Stöger

Der jahrelange Verzicht auf Kritik auf allen Ebenen führte nun dazu, dass im Verein keiner der „Königsmörder“ sein wollte. Den Volkstribun Stöger entlassen? Den Mann, der uns Europa brachte?  Den Sympathieträger schlechthin? Das Volk liebte ihn doch, aber wer diesen Mann nun stürzt, der wird öffentlich gegrillt. Obwohl diese Entscheidung sportlich irgendwann (über den Zeitpunkt wird immer noch in der Szene diskutiert …) überfällig war, zögerte der Vorstand aus Angst vor der öffentlichen Meinung. Mehrfach verpasste die Führungsebene den Zeitpunkt, bis der 1. FC Köln nach 14 Spieltagen immer nur noch drei Punkte aus drei Remis aufzuweisen hatte. Heute weiß man, dass man eigentlich bereits zu diesem Zeitpunkt abgestiegen war. Letzten Endes entließ sich Stöger dann selbst, durch eine legendäre Pressekonferenz vor dem Spiel auf Schalke, die einfach keine andere Entscheidung mehr zuließ. Das der Wiener eine Woche später im BVB-Outfit erschien, soll hier nicht weiter thematisiert werden.

Was also lehren uns die letzten Jahre?

Man kann es so sehen, das sich in Köln, zunächst schleichend, dann immer schneller Fahrt aufnehmend, eine kritiklose Wohlfühloase aufgetan hat. Es hat sich ein Klima ergeben, welches teilweise auch bewusst erschaffen wurde, in dem es sich alle Beteiligten zu leicht gemacht haben. Aus Rücksichtnahme wurde schnell Gewohnheit, die „Ruhiiiig bleiben“ Philosophie war nur scheinbar der richtige Weg oder wenn, dann nur zu einem gewissen Teil. Wir haben verlernt, Dinge konstruktiv zu kritisieren oder auch, konstruktive Kritik anzunehmen. Das gilt nicht nur für den Vorstand, den Trainer oder den Manager, egal wie die Personen heißen. Es gilt auch für den Fan an sich, der dieses Klima mitträgt oder eben nicht.

Um nicht falsch verstanden zu werden: Kollektive Unruhe braucht kein Mensch, erst recht nicht destruktives Schlechtreden oder Miesmacherei. All das bleibt weiterhin schädlich und muss weiter bekämpft werden. Aber wir brauchen wieder eine Kultur im Verein, die konstruktive und mit Argumenten belegte Kritik zulässt. Der Vorstand sollte es vorleben, die Mitglieder und Fans ebenso und auch die Medien sollten eine gewisse Kontrollfunktion ausüben.

Wir waren in den letzten Jahren nicht ehrlich zueinander, wir haben es uns zu schön geredet, daher haben wir nicht wahrhaben wollen, dass spätestens ab Sommer 2017 im Verein etwas schief lief. Aber wir haben es nicht sehen wollen, die Diskussion darüber nur an der Oberfläche geführt. Um es klar zu sagen. Wir waren zu ruhig!

Deswegen folgt der Aufruf zur „konstruktiven Unruhe“. Nie wieder „Ruhiiiig bleiben“  (der FC sollte das Video löschen). Niemals wieder dürfen wir alle den Zeitpunkt verpassen, den Mund aufzumachen und Fehlentwicklungen anzusprechen. Auch wenn „Gegenwind“ droht, die Debatten darüber müssen geführt werden. Öffentlich-fair und im kleinen Kreis, von Fan zu Fan, von Mitglied zum Mitglied und gegenüber unserem geliebten 1. FC Köln. Damit ein solch völlig unnötiger und überflüssiger Absturz nie wieder passiert!

 

PS: Auch der Autor dieser Zeilen überdenkt seine Entscheidung, eine langjährige Dialogplattform zu beenden  ….

 

Kommentar zu Jonas Hector

Von Ralf Friedrichs

Die Nachricht kam genau richtig, nach den Tränen des Vortags platzte heute Mittag die Info rein, das Jonas Hector dem 1. FC Köln die Treue hält. Trotz des 99,9999% sicheren Abstiegs – den er übrigens nur zum Teil mitverbockte (fast die komplette Hinrunde verletzt) – geht er nun nicht nur mit in die zweite Liga, sondern verlängert sogar noch seinen Vertrag bis 2023. Ein geradezu unschätzbar wichtiges Signal, wie ja auch allgemein kommentiert wird.

 

Für mich war die Nachricht keine Sensation, aber überrascht bin ich dennoch, das sich die Anzeichen seines Verbleibs tatsächlich bewahrheitet haben. Schon Ende März erzählte Stefan Ruthenbeck beim „Quo Vadis, 1. FC Köln“ Talk, das dies recht wahrscheinlich sei. Außerdem leistete er sich in den letzten zwei Jahren bereits den Luxus, Anfragen von Paris St. Germain, FC Barcelona oder dem FC Chelsea abzulehnen. Nun waren scheinbar Bayern und der BVB an ihm dran. Aber Hector bleibt in Köln.

Jonas Hector ist eben ein ganz besonderer Profi, vielleicht nicht der leutseligste Typ, der Kameras, Autogrammjäger und Fantreffs sucht. Aber eben ein zuverlässiger und erdverbundener Mensch, der in Köln seine zweite Heimat gefunden hat.

Für mich bleibt sein Auftritt beim FC-Stammtisch Talk im November 2013 natürlich in Erinnerung, am Folgetag seines ersten Profitors beim 4:0 über Union Berlin. Herrlich, wie er damals – übrigens durchaus charmant und erzählfreudig – darüber sinnierte, das er „gar nicht wusste, wie man nun jubeln soll“. Auch ansonsten war sein Auftreten ggü. Fans und allen anderen vor Ort tadellos (gab Autogramme en massé, siehe auch Fotos). Als auf dem Tisch ein Glas umkippte, spielte er – obwohl an der Aktion unschuldig – den „Ausputzer“ und wischte den Tisch wieder sauber. Eigentlich eine unwichtige Banalität, aber irgendwie doch passend zu einem Profi, der einfach anders ist als andere.

Sein Zeichen, welches er nun setzte, kann für den FC ganz wichtig sein. Zunächst natürlich wegen der Personalplanung, mit ihm und auch Marco Höger (dies soll nicht vergessen werden) hat der FC bereits zwei wichtige Säulen für den Kampf um den Aufstieg. Aber eben auch um die Fans, die einen unwürdig quälend-langen Abstieg ertragen mussten, wieder für die neue Spielzeit zu motivieren. Dies dürfte nach einem ersten Blick auf die Reaktionen vollauf gelungen sein.

Nun sind auch noch andere Spieler am Zug, warten wir es ab.

PS: Das es Hector ist, der das Cover des „So ein Tag – Der Weg nach Europa“ Buchs zum Europapokalerfolg ziert, scheint dann auch kein Zufall zu sein …

Der Abschied der 2012er ?

HORN-Tränen

Die Tränen des Timo Horn (Screenshot / Sky)

Selbst hartgesottenen FC-Fans und kritischen Geistern dürften die Szenen nach dem Abpfiff beim 2:2 des 1. FC Köln gegen Schalke nicht kalt gelassen haben. Die Tränen eines Timo Horn, der leere Blick von Jonas Hector oder der Anblick der ebenfalls völlig fertigen Dominik Maroh und Marcel Risse, sie zeigen das den Kernspielern einer Mannschaft, die ab dem Sommer 2012 den Weg von der 2. Liga bis nach Europa schaffte, … das ihnen dieser völlig unnötige Abstieg extrem zu Herzen geht.  Dabei besteht noch immer eine barbarisch-fiese 0,001 % Chance (geschätzt), diesen bitteren Gang zu verhindern. Das grausame Spiel des längsten Abstiegs aller Zeiten geht also weiter, auch jetzt – nach 31 Spieltagen – ist der FC theoretisch immer noch nicht definitiv zweitklassig. Aber nur die allerkühnsten Optimisten oder reine Mathematiker ohne fußballerischen Realitätssinn rechnen sich nun nach dem 2:2 gegen Schalke noch eine Chance aus.

Das Spiel lief ein wenig wie die Saison, ganz besch…..eiden angefangen, lange Zeit völlig chancenlos, um dann mit ein wenig Glück am Ende sogar die Chance zu haben, das Dinge noch für sich zu entscheiden.  Verdient wäre das aber nicht gewesen.

Horn, Maroh, Hector und Co. legten die Basis

Beim FC steht zunächst einmal sportliche Trauerverarbeitung an. Dazu gehört auch, diese Mannschaft bei allem Ärger nicht in Bausch und Bogen zu verdammen. Die erwähnten Spieler Horn, Maroh, Hector, dazu Haudegen wie Thomas Kessler und Matthias Lehmann haben ab 2012 die Suppe ausgelöffelt, die andere dem Verein eingebrockt haben. Ihre Leistungen auf dem Platz brachten dem FC den Aufstieg und waren die Basis für weitere Verstärkungen wie u.a. zwischenzeitlich Modeste oder Heintz, Höger und Bittencourt.

Abstieg – ein „Gesamtkunstwerk“ aller beim FC beteiligten Protagonisten

All das hat den FC bis ins jetzt schon legendäre Spiel bei Arsenal London geführt. Doch der wahr gewordene Traum endet nun in einem realen Alptraum, der Absturz ist riesig und er ist hausgemacht. Miserable Schiedsrichterentscheidungen, ein absurd umgesetzter Videobeweis und Verletzungsprobleme sind Teilgründe, dürfen aber keine Ausrede sein für den nun folgenden Gang in die Zweitklassigkeit. Es lag aber nicht nur an den sportlichen Leistungen der Spieler, sondern hauptsächlich an zuvor erfolgreichen Verantwortlichen, die an den Schaltstellen ab Sommer 2017 eklatante Fehler produzierten. Ein jeder mag für sich entscheiden, wer dies ist und wieviel Anteil daran zu vergeben ist. Letzten Endes ist der Abstieg des 1. FC Köln ein „Gesamtkunstwerk“ aller beim FC beteiligten Protagonisten.

Der Abschied der 2012er

Die Spieler haben in ihren ehrlichen Reaktionen gezeigt, dass ihnen der Abstieg des FC nicht am Allerwertesten vorbei geht. Es wäre ausgesprochen cool, wenn sie nun das nächste Zeichen setzen und ihren Beratern mitteilen, dass sie für einen Wechsel nicht zur Verfügung stehen. Aber dieser Gedanke ist dann wohl doch eine Spur zu naiv.

Realistischer ist wohl eher ein weiterer Neuaufbau, nicht alle Spieler werden bleiben, wie beispielsweise Dominik Maroh, der scheinbar nicht mehr gefragt ist. Weitere Spieler werden gehen und somit verabschiedet sich in den letzten drei Spielen wohl nicht nur der FC aus Liga 1, sondern eine Mannschaft, die den Fans ab 2012 lange Zeit viel Freude bereitete.

Die Zukunft des 1. FC Köln ist offen. Hoffentlich haben alle Verantwortlichen des 1. FC Köln aus dieser Horror-Saison gelernt.