SCHAFFT DEN VIDEOBEWEIS AB

„Nach einer Nacht drüber schlafen, sieht immer vieles anderes aus.“ Den Tipp hat sicher jeder schon in früher Kindheit oder Jugend von seinen Eltern auf den Weg mitbekommen. Nach den gestrigen Ereignissen rund um das Spiel unseres 1. FC Köln gegen Hannover 96 haben sich einige Dinge über Nacht tatsächlich relativiert, aber nun mal nicht alle. Ich fasse mal meine Erkenntnisse zusammen:

 

  • Meine Zweifel, ob es überhaupt Abseits gewesen ist, wurden wohl widerlegt. Selbst wenn der Pass auf Risse vielleicht einen Tick zu spät angehalten wurde, um die Linie für die TV-Anstalten zu ziehen, dann ist Risse immer noch ganz leicht mit dem Fuß im Abseits. Allerdings ist diese Linie der TV-Anbieter meines Wissens nach nicht kalibriert, sonst würde der Videoschiedsrichter ja immer eingreifen. Wie dem auch sei, es war wohl in der Tat Abseits. Jetzt könnte man sagen, die Gerechtigkeit hat gesiegt, oder?
  • Das ist die KERNFRAGE: Wenn es gerecht zugehen soll, dann hätten auch die beiden Situationen zuvor, als FC-Spieler frei auf´s Tor zuliefen und fälschlicherweise zurückgepfiffen wurden, sanktioniert werden müssen. Vergleichen wir das mal damit, wenn ein gegnerischer Spieler den frei aufs Tor zulaufenden Stürmer umnietet. Was passiert dann? Glatt Rot wegen Verhinderung einer klaren Torchance. Umkehrschluss: Will man die totale Gerechtigkeit wirklich umsetzen, dann müssten diese Szenen mit einer Art Penalty wiederholt werden (aber will das jemand?). Hier wurden dem FC gestern zwei hundertprozentige Torchancen genommen. So viel zum Thema Gerechtigkeit in diesem Spiel.
  • Nach wie vor bin ich der Meinung, dass die zuletzt gegebenen Tore (gerade von Konkurrenten), die ebenso nachweisbar per TV Abseits waren, dann auch nicht hätten zählen dürfen. Man kann sich jetzt natürlich winden und sagen, Risses Abseits war eindeutiger … aber m.E. sind das Ausflüchte, um das Schiedsrichterwesen zu schützen und um vom erneuten Versagen des Videobeweises abzulenken.
  • Für mich steht nach langem Nachdenken über den Videobeweis, den ich zunächst befürwortet habe, mittlerweile fest, dass dieses Sache in dieser Form ganz schnell abgeschafft gehört. Klar, einige Male wurde Gerechtigkeit hergestellt. Doch zu welchem Preis? Wie oft wurde der Videobeweis falsch ausgelegt (beim FC wissen wir ein Lied davon zu singen)? Wie oft wurden Emotionsausbrüche wie gestern abgewürgt? Wie oft wurde ein Spiel langatmig unterbrochen und im Stadion wusste keiner warum?

 

Mein persönliches Fazit: Gut gemeint ist nicht gleich gut gemacht. Mir ist klar, das DFL und DFB die Statistiken so auslegen, als wäre die Sache ein Riesenerfolg. Doch wer im Stadion war oder die Spiele im TV gesehen hat, kennt die Wahrheit. Dieser Videobeweis ist eine Farce und gehört abgeschafft. Er tötet Stadion-Emotionen, wird oft fehlerhaft angewandt und entscheidet damit Saisonverläufe mit. Dann können wir auch mit der alten Lösung leben. Die war auch nie gerecht, hat uns Fußballfans aller Vereine aber unsere Emotionen gelassen. Was wir jetzt haben, ist eine Vergewaltigung des Fußballsports.

 

Weg damit!

 

PS: Ja, ich bin Fan des 1.FC Köln und bin somit temporär „betroffen“. Doch der Videobeweis wird grundsätzlich nicht sinnvoller, wenn auch mein Verein davon einmal profitiert. Sollte das demnächst wieder so kommen, werde ich es hinnehmen und es ein Stück weit als kleine Wiedergutmachung ansehen. Dennoch fordere ich weiterhin die Abschaffung. Und, … liebe Fans der anderen Vereine, die uns FC-Fans jetzt „Heulerei“ unterstellen: Schon nächste Woche könnt ihr betroffen sein.

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70 Jahre 1.FC Köln

Geboren aus zwei Traditionsvereinen (KBC 1901 & Spgg. Sülz 1907) um selbst einer der größten Traditionsvereine des Landes zu werden. Am 13. Februar 1948 entstand aus den genannten Vorgängervereinen der 1. FC Köln, dessen Wurzeln also deutlich älter sind, als „nur“ 70 Jahre (manche Unwissende behaupten das ja). Was der #effzeh aber in diesen 70 Jahren bot, war aller Ehren wert. Aus dem „Emporkömmling“ wurde schnell der beste Verein Kölns, dann der beste Vereins des Westens um schließlich 1962 der beste Verein Deutschlands zu werden. Das Besondere: Die Feier zu diesem 1. Titel sieht man im Video, bisher unveröffentlichte Aufnahmen der Edition Steffan.

 

 

Die Bundesliga wurde eingeführt, der 1. FC Köln wurde ihr erster Meister. Wie sagt FC-Legende Wolfgang „Bulle“ Weber so schön? „Die Bayern können noch 50x Meister werden, der erste Meister der Bundesliga wird immer 1. FC Köln heißen.“ Der FC blieb in der Folge Spitze, qualifiziert sich wie selbstverständlich für die europäischen Wettbewerbe, die leider zu dieser Zeit finanziell bei weitem nicht so lukrativ waren, wie sie es heute sind.

1978 folgte dann der größte Erfolg der Vereinsgeschichte. Die Mannschaft von Trainer Hennes Weisweiler um Double-Kapitän Heinz Flohe, Torjäger Dieter Müller und Torwart Toni Schumacher holt als eine von nur wenigen Vereinen das begehrte Double. Meisterschale und DFB-Pokal wandern innerhalb nur weniger Tage in Köln. Unvergessen!

Große Spiele und unvergessene Schlachten lieferte der FC, der ganz große Erfolg blieb auf der europäischen Ebene jedoch aus, 1986 reichte ein 2:0 Sieg über Real Madrid im zweiten UEFA-Cup Endspiel nicht aus, um die Hypothek der Hinspielniederlage auszugleichen.

Insgesamt drei Meisterschaften und vier Pokalsiege feiert der 1. FC Köln, ehe es in den 90ern sportlich bergab ging. 1998 dann der erste Abstieg, zu viele weitere sollten folgen.

Doch der FC wurde durch seine Abstiege noch größer als er es zuvor jemals war. Die Fans laufen dem FC die Bude ein und der Kult um einen der leidenschaftlichsten Vereine auf diesem Planeten nimmt einfach kein Ende. Egal, welche Spieler, Präsidenten, Trainer oder Manager gerade das Sagen haben. Der Verein bleibt ! In jeder Liga! Eine Konstante im Leben aller FC-Fans!

So ist es und so bleibt es. Alles Gute zum 70. Geburtstag, 1.FC Köln