Kommentar zu Jonas Hector

Von Ralf Friedrichs

Die Nachricht kam genau richtig, nach den Tränen des Vortags platzte heute Mittag die Info rein, das Jonas Hector dem 1. FC Köln die Treue hält. Trotz des 99,9999% sicheren Abstiegs – den er übrigens nur zum Teil mitverbockte (fast die komplette Hinrunde verletzt) – geht er nun nicht nur mit in die zweite Liga, sondern verlängert sogar noch seinen Vertrag bis 2023. Ein geradezu unschätzbar wichtiges Signal, wie ja auch allgemein kommentiert wird.

 

Für mich war die Nachricht keine Sensation, aber überrascht bin ich dennoch, das sich die Anzeichen seines Verbleibs tatsächlich bewahrheitet haben. Schon Ende März erzählte Stefan Ruthenbeck beim „Quo Vadis, 1. FC Köln“ Talk, das dies recht wahrscheinlich sei. Außerdem leistete er sich in den letzten zwei Jahren bereits den Luxus, Anfragen von Paris St. Germain, FC Barcelona oder dem FC Chelsea abzulehnen. Nun waren scheinbar Bayern und der BVB an ihm dran. Aber Hector bleibt in Köln.

Jonas Hector ist eben ein ganz besonderer Profi, vielleicht nicht der leutseligste Typ, der Kameras, Autogrammjäger und Fantreffs sucht. Aber eben ein zuverlässiger und erdverbundener Mensch, der in Köln seine zweite Heimat gefunden hat.

Für mich bleibt sein Auftritt beim FC-Stammtisch Talk im November 2013 natürlich in Erinnerung, am Folgetag seines ersten Profitors beim 4:0 über Union Berlin. Herrlich, wie er damals – übrigens durchaus charmant und erzählfreudig – darüber sinnierte, das er „gar nicht wusste, wie man nun jubeln soll“. Auch ansonsten war sein Auftreten ggü. Fans und allen anderen vor Ort tadellos (gab Autogramme en massé, siehe auch Fotos). Als auf dem Tisch ein Glas umkippte, spielte er – obwohl an der Aktion unschuldig – den „Ausputzer“ und wischte den Tisch wieder sauber. Eigentlich eine unwichtige Banalität, aber irgendwie doch passend zu einem Profi, der einfach anders ist als andere.

Sein Zeichen, welches er nun setzte, kann für den FC ganz wichtig sein. Zunächst natürlich wegen der Personalplanung, mit ihm und auch Marco Höger (dies soll nicht vergessen werden) hat der FC bereits zwei wichtige Säulen für den Kampf um den Aufstieg. Aber eben auch um die Fans, die einen unwürdig quälend-langen Abstieg ertragen mussten, wieder für die neue Spielzeit zu motivieren. Dies dürfte nach einem ersten Blick auf die Reaktionen vollauf gelungen sein.

Nun sind auch noch andere Spieler am Zug, warten wir es ab.

PS: Das es Hector ist, der das Cover des „So ein Tag – Der Weg nach Europa“ Buchs zum Europapokalerfolg ziert, scheint dann auch kein Zufall zu sein …

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Der Abschied der 2012er ?

HORN-Tränen

Die Tränen des Timo Horn (Screenshot / Sky)

Selbst hartgesottenen FC-Fans und kritischen Geistern dürften die Szenen nach dem Abpfiff beim 2:2 des 1. FC Köln gegen Schalke nicht kalt gelassen haben. Die Tränen eines Timo Horn, der leere Blick von Jonas Hector oder der Anblick der ebenfalls völlig fertigen Dominik Maroh und Marcel Risse, sie zeigen das den Kernspielern einer Mannschaft, die ab dem Sommer 2012 den Weg von der 2. Liga bis nach Europa schaffte, … das ihnen dieser völlig unnötige Abstieg extrem zu Herzen geht.  Dabei besteht noch immer eine barbarisch-fiese 0,001 % Chance (geschätzt), diesen bitteren Gang zu verhindern. Das grausame Spiel des längsten Abstiegs aller Zeiten geht also weiter, auch jetzt – nach 31 Spieltagen – ist der FC theoretisch immer noch nicht definitiv zweitklassig. Aber nur die allerkühnsten Optimisten oder reine Mathematiker ohne fußballerischen Realitätssinn rechnen sich nun nach dem 2:2 gegen Schalke noch eine Chance aus.

Das Spiel lief ein wenig wie die Saison, ganz besch…..eiden angefangen, lange Zeit völlig chancenlos, um dann mit ein wenig Glück am Ende sogar die Chance zu haben, das Dinge noch für sich zu entscheiden.  Verdient wäre das aber nicht gewesen.

Horn, Maroh, Hector und Co. legten die Basis

Beim FC steht zunächst einmal sportliche Trauerverarbeitung an. Dazu gehört auch, diese Mannschaft bei allem Ärger nicht in Bausch und Bogen zu verdammen. Die erwähnten Spieler Horn, Maroh, Hector, dazu Haudegen wie Thomas Kessler und Matthias Lehmann haben ab 2012 die Suppe ausgelöffelt, die andere dem Verein eingebrockt haben. Ihre Leistungen auf dem Platz brachten dem FC den Aufstieg und waren die Basis für weitere Verstärkungen wie u.a. zwischenzeitlich Modeste oder Heintz, Höger und Bittencourt.

Abstieg – ein „Gesamtkunstwerk“ aller beim FC beteiligten Protagonisten

All das hat den FC bis ins jetzt schon legendäre Spiel bei Arsenal London geführt. Doch der wahr gewordene Traum endet nun in einem realen Alptraum, der Absturz ist riesig und er ist hausgemacht. Miserable Schiedsrichterentscheidungen, ein absurd umgesetzter Videobeweis und Verletzungsprobleme sind Teilgründe, dürfen aber keine Ausrede sein für den nun folgenden Gang in die Zweitklassigkeit. Es lag aber nicht nur an den sportlichen Leistungen der Spieler, sondern hauptsächlich an zuvor erfolgreichen Verantwortlichen, die an den Schaltstellen ab Sommer 2017 eklatante Fehler produzierten. Ein jeder mag für sich entscheiden, wer dies ist und wieviel Anteil daran zu vergeben ist. Letzten Endes ist der Abstieg des 1. FC Köln ein „Gesamtkunstwerk“ aller beim FC beteiligten Protagonisten.

Der Abschied der 2012er

Die Spieler haben in ihren ehrlichen Reaktionen gezeigt, dass ihnen der Abstieg des FC nicht am Allerwertesten vorbei geht. Es wäre ausgesprochen cool, wenn sie nun das nächste Zeichen setzen und ihren Beratern mitteilen, dass sie für einen Wechsel nicht zur Verfügung stehen. Aber dieser Gedanke ist dann wohl doch eine Spur zu naiv.

Realistischer ist wohl eher ein weiterer Neuaufbau, nicht alle Spieler werden bleiben, wie beispielsweise Dominik Maroh, der scheinbar nicht mehr gefragt ist. Weitere Spieler werden gehen und somit verabschiedet sich in den letzten drei Spielen wohl nicht nur der FC aus Liga 1, sondern eine Mannschaft, die den Fans ab 2012 lange Zeit viel Freude bereitete.

Die Zukunft des 1. FC Köln ist offen. Hoffentlich haben alle Verantwortlichen des 1. FC Köln aus dieser Horror-Saison gelernt.