Die Bilanz des Stephan Ruthenbeck

FC Stammtisch - 100

Stephan Ruthenbeck

Der Vertrag von Stephan Ruthenbeck als Cheftrainer des 1. FC Köln wird also nun, wie ursprünglich geplant, nur bis Saisonende Bestand haben. Eine Verlängerung des Kontrakts wird es ligaunabhängig nicht geben. Dies ist seit gestern öffentlich.

Egal, wie man nun allgemein zu dieser Maßnahme steht, dem Manne ist Dank zu zollen. Als er den Posten übernahm, war die Mannschaft ein sportlicher Trümmerhaufen, eine fast schon europaweite Lachnummer. Eine mit Hohn und Spott  – und dessen Steigerung – mit Mitleid belegte Karikatur eines Fußballteams. Die bis dahin errungenen drei Punkte ein Wert, der unterhalb aller Minusrekordmarken lag. Das Team hatte konditionell abgewirtschaftet und befand sich auf dem Höhepunkt einer rätselhaften Verletzungswelle, die nicht wenige Experten mit falschen Trainingsgrundlagen aus der Sommer-Vorbereitung erklärten. Ob dies so war, kann heute niemand sagen, wahr aber ist, um eine solche „Horrortruppe“ zu übernehmen, dazu gehört Schneid und wahrscheinlich muss man den Verein auch wirklich mögen, um sich so etwas anzutun.

Kaltstart aus dem Stand & „Trau dich“

Eine ausgedehnte Vorbereitung hatte Ruthenbeck nicht, er musste aus dem Stand funktionieren. Der Kaltstart ging zunächst in die Hose, in Belgrad verspielte das Team die Chance aufs Weiterkommen in Europa, auch gegen Freiburg setzt es eine erschütternde 3:4 Heimniederlage nach 3:0 Führung. Immerhin, der FC schoss wieder Tore, sogar nach Standards. Doch die mangelhafte Kondition war es am Ende, die dieses Spiel kippen ließ. Wenige Tage später war gegen die übermächtigen Bayern schon der Liga-Gegentorrekord befürchtet worden, doch der FC überraschte und verlor lediglich mit dem knappsten aller Ergebnisse. Fast wäre dem überraschend als Stürmer aufgestellten Forrest Gump-Klünter sogar noch das 1:1 gelungen. Es wäre nicht einmal unverdient gewesen. In Erinnerung blieb auch ein laut gerufenes „Trau dich“, welches Ruthenbeck dem eingewechselten Nachwuchsspieler Chris Führich für alle hörbar dank der Stadionmikrofone zurief. Der Youngster ließ daraufhin 3-4 Weltklasse Bayern stehen wie Slalomstangen, nur der Abschluss passte nicht.

„Trau dich“, dies galt auch für Stefan Ruthenbeck, der mehr und mehr in seine Rolle fand. Im 17. und letzten Spiel der Hinrunde gelang endlich der erste Sieg gegen den VfL Wolfsburg, die historisch schlechteste Hinrunde aller Mannschaften aller Bundesligazeiten – immerhin seit 55 Jahren – war mit Ach und Krach noch abgewendet worden. Dennoch waren die sechs Punkte insgesamt ein erbärmlich schlechter Wert, trotz des Erfolgserlebnisses rechnete kaum jemand mit einer Chance, noch einmal in den Abstiegskampf eingreifen zu können.

Drei Siege am Stück – Die Hoffnung überlebte

Doch der FC unter Ruthenbeck überraschte, die beiden ersten Spiele nach der Winterpause gegen Mönchengladbach und in Hamburg entschied der 1. FC Köln für sich. Gerade im Derby war sicher etwas Glück dabei, doch dies hatte sich das Team auch erarbeitet. Diese drei Siege am Stück, welche dem Verein schon lange nicht mehr gelungen waren, setzten Hoffnungen frei. Man glaubte an das Wunder, der FC schoss wieder Tore, war insgesamt wieder konkurrenzfähig geworden. In der kurzen Winterpause hatte sich auch die Kondition wieder erheblich verbessert und viele Verletzte kehrten zurück. Dazu kamen mit Terodde und Koziello zwei vielversprechende Neuzugänge. Die Standards, jahrelang eine Problemdisziplin, funktionierten dank erweitertem Training deutlich besser und sorgten wieder für Gefahr. Die Geißböcke wirkten wieder gefestigter.

Ein Parforceritt durch die weiteren Rückrundenspiele, die Ruthenbeck zu verantworten hat, zeigen dann Licht und Schatten seiner Trainerarbeit. Negativ fiel auf, dass das Team oftmals wichtige Big Points liegenließ, denn mehr als die erreichten drei Punkte aus den Heimspielen gegen Augsburg, Hannover, Stuttgart und Mainz waren sicher möglich. Auch gegen den BVB war ein Punkt drin, gerade in diesem Spiel zeigte sich, das der FC auf einem schmalen Grad unterwegs war, denn da ein Remis dem Verein kaum half, musste mehr riskiert werden. Das ging Dortmund in die Hose, der FC lief kurz vor Schluss in einen Konter und blieb ohne Punkte.

Licht und Schatten im ständigen Wechsel

Die schwächsten Darbietungen zeigte der FC dann auswärts in den Spielen in Frankfurt, Bremen und vor allem in Hoffenheim. Mit 6:0 wurde der FC nach allen Regeln der Fußballkunst im Kraichgau abgefertigt und war dabei sogar noch gut weggekommen. Niemand hätte sich beschweren können, wenn es zweitstellig ausgegangen wäre. In diesem Spiel versagten alle, die Spieler auf dem Platz, aber auch das Trainerteam, welches relativ hilflos dem Treiben zusah, viel zu spät eingriff und sich dabei auch fragwürdige Wechsel erlaubte. Ein wieder einmal schwarzer Tag, von dem sich das Team leider auch kaum erholte, wie sich im extrem wichtigen Spiel gegen Mainz 05 zeigen sollte.

Doch es gab auch positives zu sehen, nach dem ersten, richtigen Derbysieg über Gladbach schaffte der FC auch den Triumph im „Derby light“. Gegen Leverkusen zeigte das Team eine ganz starke Partie und lieferte die beste Gesamt-Heimvorstellung im Kalenderjahr 2018 ab. In Leipzig steigerte sich der FC nach schwacher erster Halbzeit enorm und gewann am Ende verdient bei der eher semi-beliebten Niederlassung eines Brauseherstellers.  Den Schwung aus diesem Spiel nahm man mit und spielte 44 Minuten faszinierend gut gegen den VfB Stuttgart, dem aber noch vor der Halbzeit zwei absurde Treffer gelangen. Ausgerechnet der sonst zuverlässige Timo Horn im Tor der Geißböcke erwischte einen üblen, gebrauchten Tag. Am Ende verlor der FC ein Spiel mit 2:3, welches er niemals verlieren durfte.

Fünf Partien sind nun noch zu spielen, die Chance, den Relegationsplatz zu erreichen ist noch da, aber sie ist durch sechs Punkte Abstand und einem miserablen Torverhältnis deutlich geringer geworden. Nachdem für alle nun klar zu sein scheint, das die zweite Liga nicht mehr zu verhindern ist, hat nun Armin Veh (Geschäftsführer Sport) verkündet, dass der Vertrag des Trainers nicht verlängert wird.

Einem Abstiegstrainer danken? Ausnahmsweise Ja …

Dennoch hat Stefan Ruthenbeck insgesamt einen mehr als nur ordentlichen Job gemacht. Muss man einem Trainer, der (höchstwahrscheinlich) am Ende den Abstieg als Abschluss-Ergebnis vorzuweisen hat, dafür dennoch danken? Im Normalfall natürlich nicht, in diesem Fall aber schon. Sein Punktschnitt von 1,2 deutet auf eine 41 Punkte-Saison hin und hätte den Klassenerhalt bedeutet. In der Rückrundentabelle liegt der FC auf Platz 10. Man kann sicher einiges an ihm, seiner Art, der Außendarstellung, seinem Training/Coaching kritisieren … man kann auch sagen, dass er nicht der richtige Trainer für die weitere Zukunft des 1. FC Köln ist.

Aber ganz sicher kann niemand behaupten, dass er in erster Linie den wahrscheinlichen Abstieg des 1. FC Köln zu verantworten hat. Er wird vermutlich den FC nicht vor dem Fall in die zweite Liga bewahren, aber er hat großen Anteil daran, dass dies nach der katastrophalen Hinrunde noch in sportlicher Würde und nachgewiesener Konkurrenzfähigkeit geschieht.

Also, Danke Stefan Ruthenbeck!

 

PS: … und wenn das „Wunder“ Klassenerhalt noch funktioniert, dann erhält dieser Text ein Update!

1-RF-Ruthe

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