Gedanken eines FC-Mitglieds zur Präsidentschaft

Der 1.FC Köln braucht einen neuen Präsidenten. Erste Namen werden gehandelt und die Entscheidung, wer zur Kandidatur bereit steht, wird bald fallen.

Ein Anwärter auf das seit November 2011 vakante Amt ist der ehemalige Vorstand der Bayer AG, Werner Spinner. Dieser Mann gilt in vielen Kreisen als favorisiert. Aber warum eigentlich? Man kennt von ihm lediglich seinen Lebenslauf, den Menschen dahinter kennt man (noch) nicht. Ist er vielleicht ein Choleriker? Ein Selbstdarsteller? Oder aber ein seriös-ruhiger Vertreter? Ein „Versöhner statt Spalter“? Und noch wichtiger: Was ist seine Idee, seine Vision? Wie will er den Posten ausfüllen?

Seine Vita gibt sicher diverse Ansätze, sie ist interessant und spricht zunächst für ihn. Aber kennen tut ihn doch wirklich kaum einer.

Und genau das ist der Grund, warum ich bei der Mitgliederversammlung gerne eine WAHL hätte. Stellt sich dort bei der ersten Rede erst heraus, dass man seinen Ideen nicht folgen kann, hätte man mit dem ebenfalls gehandelten Karl-Heinz Thielen beispielsweise immer noch eine Option. Es verschließt sich mir auch der Gedanke, das eine „Kampfkandidatur“ die Spaltung der Mitglieder befeuern soll. Ich fände es höchst bedenklich, auf einer Mitgliederversammlung lediglich einen Kandidaten abzunicken, der mir vorgesetzt wird. Das man Thielen seine Kandidatur angeblich ausreden will, lässt meine Skepsis steigen. Dies verstärkt den Eindruck, dass man ein gewünschtes Szenario mit aller Macht durchsetzen möchte.

In den Foren jedoch liest man viel, das Thielen ein „Overath II“ wäre. Ein Yesterday-Man, einer der nicht mehr der Zeit entspricht. Thielen hat hier den Nachteil, dass man ihn und seine Aussagen zum 1.FC Köln kennt. Spinner hat logischerweise noch nichts falsches sagen können, weil er sich noch nie öffentlich zum FC geäußert hat. Dieser Umstand macht ihn für viele „wählbarer“. Aber reicht das?

Thielen ist alles andere als „nur ein Overath mit Manieren“ wie ich neulich gelesen habe. Er hat mit dem Ex-Präsidenten lediglich das Lebensalter gemeinsam, sicher auch einige, der aus dieser Altersklasse stammenden Prinzipien, die der heutigen Generation manchmal fremd erscheinen. Doch Thielen war immer knallharter Geschäftsmann, der immer alles dem Verein unterstellt hat. Kein Populist, der eine kurzfristige Entscheidung getroffen hat, um öffentlich gut dazustehen. Oftmals hat er sich in seinen Funktionen, u.a. als Manager unbeliebt gemacht, unter dem Strich aber steht Thielen für die erfolgreichste Ära des Vereins. Auf seiner Habenseite als Spieler/Manager/Vizepräsident stehen neben allen 7 Titeln des Vereins (!) u.a. die Verpflichtung von Hennes Weisweiler und Spielern wie Bernd Schuster, Dieter Müller, Pierre Littbarski, Okudera, van Gool, Woodcock, um nur einige zu nennen. Selbstverständlich ist das alles schon recht lange her.

Zweifel, ob Thielen aufgrund seines Lebensalters „zu halsstarrig“ oder „zu lange aus dem Geschäft“ sei, sind daher durchaus berechtigt. Auch wenn letzteres aufgrund seiner Funktion als aktueller Präsident aller Spielervermittler sicher relativiert wird. Einen Mann, der sich um den 1.FC Köln so verdient gemacht, aber von vorne herein abzulehnen, ist sicher genau so falsch, wie Herrn Werner Spinner seinen Nachnamen und seine Vergangenheit beim Bayer-Werk vorzuwerfen.

Damit es nicht falsch verstanden wird, ich habe mich noch nicht für einen Kandidaten entschieden, weder bin ich aktuell gegen Spinner, noch für Thielen. Aber ich würde bei der Mitgliederversammlung gerne mindestens zwei Teams und zwei Konzepte sehen und hören, … um mich dann für die Philosophie und das Team entscheiden zu können, welches mir am ehesten zusagt. Warum sollte ich als Mitglied zu einer Wahl gehen, wenn ich keine Aus- „Wahl“ habe?

Es gibt Leute, die ein Chaos befürchten, sollte es zu einer Kampfkandidatur kommen. Für mich wäre es nichts anderes als gelebte Demokratie, die muss auch der 1.FC Köln aushalten können.

4 Kommentare

  1. Ich würde vorher aber auch sehr gerne wissen, ob Thielen, wie zu hören war, den „bezahlten Präsidenten“ einführen möchte. Damit wäre er für mich unwählbar. Wir haben schon genug Leute beim FC, die sich die Taschen voll schaufeln.

    • hm, also meinst Du das der Präsident :
      1. präsentiert den Klub,
      2. soll Sponsoren ranholen,
      3. gut vernetzt sein,
      4. den Kopf hinhalten,
      5. nur abnicken,
      6.nichts zu entscheiden haben,
      und dat alles für ömesöns ??

  2. Hätte was, eine richtige Wahl. Wäre aber so gar nciht FC-like 😉 Mal im Ernst, die Satzung sieht vor, dass der VR den Präsidenten vorschlägt, der dann von den Mitgliedern gewählt wird. Warum also sollte sich der VR das Leben schwerer machen als es ist und mehrere Kandidaten zur Wahl stellen? Würde dann nicht automatisch den Mitgliedern vermittelt „selbst der VR ist sich nicht einig“. Ich denke auch, gerade bei der besonderen Lage in Köln ist da das Chaos vorprogrammiert. Vielleicht brauchen wir auch mal eine Satzungsänderung… warte mal… was macht eigentlich FCR?

  3. von der Satzung habe ich keine Ahnung, nur eines ist mir klar. Der Verein braucht einen Präsidenten, der zum Einen versteht, wie man innervereinliche Strömungen auslotet und adäquat darauf reagiert, um den Vereinsfrieden endlich einmal wieder herzustellen. Zum anderen ist eine gesunde finanzielle Richtungsweisung notwendig, am besten gleich noch ein paar hervorragende Sponsoren mitbringen, die gleich auch die Finanzierung von ein paar guten Spielereinkäufen ermöglicht.


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