Persönliche Erklärung vom 20.11.2010

Liebe Freunde des FC-STAMMTISCH, FC-Fans, Mitglieder und alle, die diesem Verein nahe stehen,

die Zeiten für unseren geliebten 1.FC Köln sind schlecht. Gerade die letzten Wochen haben uns deutlich vor Augen geführt, dass etwas in unserem Verein nicht stimmt. Da ist zunächst die sportliche Bilanz zu nennen. Ein letzter Tabellenplatz kann und darf niemals akzeptiert werden. Deswegen haben ALLE Beteiligten den Auftrag, diesen Zustand sobald wie möglich zu ändern.

Genau so haben auch die Verantwortlichen des 1.FC Köln ein schlechtes Bild abgegeben. Der negative Höhepunkt war hier sicher die Mitgliederversammlung 2010, die aufgrund einer nicht sonderlich guten Performance und einer merkwürdigen Zählweise bei der Stimmabgabe zu Tumulten führte. Das unser Präsident bzgl. der Mitglieder tags darauf das Wort „Chaoten“ in den Mund nahm … und dabei scheinbar ungewollt auch sehr viele seriöse Mitglieder zunächst pauschal in diese Gruppe mit einbezog, war das negative, leicht schimmelige Sahnehäubchen auf einem eh schon verdorbenen Kuchen.

Gerade im Internet haben sich deshalb viele Gruppierungen gefunden, die nun Aktionen gegen den Vorstand starten. Am Geißbockheim werden Mahnwachen abgehalten, andere Fans/Mitglieder planen T-Shirt Aktionen, wieder andere schalten im Netz diverse Websites um auf die nächste Versammlung hinzuweisen. Es wird diskutiert, ob Fans beim Verein mehr Mitspracherecht erhalten sollen. All das halte ich, sofern es friedlich, seriös und ohne Diffamierungen abläuft, für wichtig und es zeigt auch, das dieser Verein über viel bessere und intelligentere Fans verfügt, als es von manchen Medien dargestellt wird.

Teile dieser Aktionen haben deshalb auch meine persönliche Sympathie, eben weil die Fans sich Gedanken machen und auf friedliche Weise ihre Stimme erheben. Gerade am gestrigen Freitag konnte ich mich bei einem einstündigen Besuch der „Mahnwache“ am Geißbockheim davon überzeugen.

Vereinzelte Initiatoren dieser genannten Aktionen sprechen mich nun direkt an oder schreiben mir – als Moderator des FC- STAMMTISCH Talks – via Email, das ich mich in irgendeiner Weise beteiligen soll.

Dazu möchte ich folgendes feststellen: Als Initiator/Moderator des FC-STAMMTISCH-Talks gehöre ich zu denjenigen, die innerhalb der Talkrunden auch unbequeme Fragen stellen und der ebenso unbequeme Meinungen zulässt. Der STAMMTISCH ist ein Fan-Format, es geht bei uns in der Tat kritisch zu, jedoch auch fair und seriös.

Ich möchte jedoch in aller Deutlichkeit betonen, dass der FC-STAMMTISCH keiner noch so gearteten Opposition angehört. Unser kleiner, aber feiner Talk stellt sich neutral auf und versucht ganz im Gegenteil, die verschiedenen Ebenen – als da wären Fans, Medienvertreter und Fußballexperten – zusammenzubringen, sie an einen Tisch zu setzen und über den FC zu diskutieren.

Gerade in den letzten Wochen ist da wohl da der Eindruck entstanden, der STAMMTISCH würde „Politik machen“. Dies war nicht das erklärte Ziel der Initiatoren, jedoch sollten auch die Missstände nicht verschwiegen werden. Dementsprechend „hart in der Sache“ wurde diskutiert.

Der 1.FC Köln selbst wird nun am 29.11., in der Person von Geschäftsführer Claus Horstmann, am FC-STAMMTISCH teilnehmen. Diesen Besuch halte ich für sehr wichtig, um den Dialog mit den kritischen, aber seriösen Fans (die auch zu diesem Talk geladen sind) aufrecht zu erhalten.

Viele fragen mich, wie ich persönlich zu der ganzen Situation stehe, ich möchte hier nicht ausweichen und feststellen, das auch mich die letzten Wochen sehr nachdenklich gemacht haben. Als normales und einfaches FC-Mitglied (und eben nicht als Moderator) habe ich ein Anrecht auf eine eigene Meinung und die habe ich am Mittwoch „in grau“ vertreten (auch wenn ich mich zunächst enthalten wollte). Dies bedeutet aber nicht automatisch, dass ich Wolfgang Overath nicht mehr als Präsidenten haben möchte. Viel wichtiger wäre mir persönlich der Aufbau einer neuen Führungsstruktur, der auch ein Wolfgang Overath als eine Art „Ehrenpräsident“ vorstehen kann. Dies ist jedoch nur meine persönliche Meinung, die ich beim STAMMTISCH nicht in den Vordergrund stelle. Da geht es zu weit über 90% um die Fragen, die allgemein rund um den FC aufgekommen sind.

Zum Schluss noch ein Statement zu Wolfgang Overath: Aufgrund seiner unglaublichen Verdienste als Spieler in der Vergangenheit, darf das Denkmal Overath nicht zerstört werden. Weder durch die Fans, noch durch Wolfgang Overath selbst. Beide Seiten sollten unbedingt aufeinander zugehen, damit die Lage nicht weiter eskaliert. Der FC muss mehr auf seine Basis zugehen, muss die Kluft, die sicher entstanden ist, dringend wieder schließen. Ein erster Anfang wäre eine Entschuldigung Wolfgang Overaths an die „Chaoten“. Eine Relativierung ist da nicht ausreichend. Daher meine Bitte an Wolfgang Overath, … tun Sie es: Eine ehrliche Entschuldigung würde die entstandene Kluft ein Stück weit schließen. Man glaubt oft nicht, was eine kleine, ehrlich gemeinte, menschliche Geste bewirken kann.

Nun wollen wir alle hoffen, dass der FC seine gute Serie in Stuttgart bestätigen kann ( Nachtrag 22.11. … die Hoffnung hat sich bestätigt, 1:0 Sieg) und die Situation im Tabellenkeller entspannter wird. Denn über allen Personen, … ob Weltmeister, Geschäftsführer, Müllmännern, Facharbeitern, Rechtsanwälten, Talk-Moderatoren und und und … steht der

1.FC KÖLN

Bis zum nächsten Mal und Gruss

Ralf Friedrichs

3 Kommentare

  1. Erfrischend moderate Töne in der sonst so hysterischen Kölner Medienlandschaft. Wenn mehr Medienschaffende diese Art von Verantwortungsbewusstsein an den Tag legen würden, dann stünde der FC auch besser da, als er es jetzt tut.
    Leider betätigen sich gerade die großen Boulevardmedien oft eher als Brandstifter.

    Natürlich darf das Denkmal Wolfgang Overath nicht zerstört werden. Auch er selbst sollte daran denken, denn er ist auf dem besten Wege.
    Ich fürchte allerdings, dass es für das Präsidium von Wolfgang Overath bereits zu spät ist, denn in seiner Zeit wurden einfach zu viele Fehler gemacht, die schlußendlich er als Präsident zu verantworten hat.

    Es ist November, und die Mannschaft des bemitleidenswerten Frank Schaefer ist noch nicht abgestiegen, allerdings sehe ich die Chancen auf den Klassenerhalt ähnlich wie die kicker-Leser bei ca. 20%.
    Sollte der 1.FC Köln von Wolfgang Overath nochmals absteigen, wäre es Zeit für einen glatten Schnitt.

  2. Hervorragendes Statement, was mir aus der Seele spricht. Beide Seiten haben überzogen: Die Fans mit der Vielzahl der Neinstimmen zur Entlastung des Vorstandes und mein Idol mit seiner Reaktion darauf. Jetzt heißt es Ruhe bewahren und sorgfältig das Schiff wieder in eine ruhige und erfolgsorientierte Richtung zu steuern.
    Schade, am 29.11. binich verhindert. Das wird ja ein Topereignis für den Stammtisch.

  3. Hallo Ralf,

    echt klasse Statement. Ich sehe das Ganze sehr ähnlich wie du. Overath ist auch für mich, auch wenn ich erst 26 bin und ihn nie selber hab spielen sehen können, eine echte FC Ikone und mit der darf auch nicht umgegangen werden, wie mit einer Kuh auf dem Schlachthof. Overath muss als Repräsentant bleiben. Nur alles was unter Overath steht muss angepackt werden. Jeder Stein muss umgedreht werden und die bestmögliche Strategie entwickelt werden. Auch ein Manager Meier sollte nicht unbedingt vor die Tür gesetzt werden. Man sollte die Stärken eines Manager Meiers voll einsetzen und die Schwächen durch Strategie beseitigen.

    Echt toller Bericht und die Hoffnung stirbt zuletzt!!

    LG
    Thomas Schleuter


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